Rauswurf aus AfD

Gebt dem Björn Höcke sein Kalbitzchen wieder!

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Der Fall um den Rauswurf von Andreas Kalbitz aus der AfD, um Jörg Meuthen und um Björn Höcke entwickelt sich zur unendlichen Geschichte mit nur geringem Unterhaltungswert.

Andreas Kalbitz, „rechtsextremer deutscher Politiker“ (Wikipedia) und nach wie vor in den Diensten der AfD-Fraktion Brandenburg, hat den Rauswurf aus seiner Herzenspartei nicht verdient. Schließlich hat er nur einen klitzekleinen Fehler begangen, eigentlich nicht der Rede wert und schon so lange her.

Rauswurf von Andreas Kalbitz aus AfD: Neonazistische Gruppe als kleine Jugendsünde

1993 war es, als Kalbitz Mitglied der rechtsradikalen „Republikaner“ war; in die neonazistische „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) hatte er bei der Gelegenheit auch gleich noch mit reingeschnuppert. Aber alles Jugendsünden sozusagen, die bei seinem AfD-Eintritt 2013 keine Erwähnung erfahren haben sollen.

Darüber ist er nun gestolpert, wie das Schiedsgericht bestätigte – über eine Formalie, auf der sein innerparteilicher Ex-Chef Jörg Meuthen so gnadenlos herumgeritten ist. Doch in dieser Causa ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Immerhin erfährt der Mann fürs Grobe Unterstützung von ganz oben: Kein Geringerer als Björn Höcke, „rechtsextremer deutscher Politiker“ (Wikipedia), hat sich in einer Videobotschaft auf Facebook zum Kameraden bekannt.

Kalbitz-Rauswurf aus AfD: 50.000 Euro für den Prozess - für Björn Höcke rausgeschmissenes Geld

Um ein „politisches Urteil“ habe es sich hier gehandelt und entsprechend um einen weiteren „schweren Schaden für die Partei“. Alleine schon materiell. 50 000 Euro soll der Prozess bislang verschlungen haben, rausgeschmissenes Geld, lässt sich aus Höckes Botschaft heraushören.

Dabei habe die Parteikasse ganz andere Lasten zu stemmen, beispielsweise die Folgen der Spendenskandale „führender Funktionäre“. Eine kleine Spitze, die wohl auch Meuthen treffen soll, der die Blau-Braunen wegen illegaler Parteispenden immerhin 270 000 Euro kostet. Ausgerechnet.

Und ideell? Ideell ist zunächst einmal eng verknüpft mit materiell, denn „dieser Kampf“ gegen die „Willkür“ müsse natürlich von Kalbitz weiter geführt werden, und der kostet Geld. Geld, das Björn Höcke wohl lieber dafür ausgegeben hätte, sein Deutschland von diesem links-grünen Merkelsiff zu befreien. Das wäre mit Andreas Kalbitz einfacher, immerhin haben die beiden nicht nur ihren Wiki-Eintrag gemein, sondern auch das Faible fürs Völkische.

Andreas Kalbitz-Rauswurf aus AfD: Björn Höckes Fingerübungen als „Landolf Ladig“

Björn Höcke, der seine Textsicherheit als „Volksempfänger“ („Die Zeit“) kürzlich zwischen zwei Buchrücken pressen durfte, soll sich bereits von 2011 an mit Fingerübungen als „Landolf Ladig“ in der neonazistischen Zeitschrift „Der Reichsbote“ aka „Volk in Bewegung“ versucht haben.

Der Wahl-Thüringer will davon zwar nichts wissen, von einer eidesstattlichen Gegenerklärung jedoch auch nichts. Allerdings ist von einem „Volk in Bewegung“ eine heimattreue deutsche Jugend nicht weit, was beides Grundpfeiler einer Partei sind, die das Nationale stets über das Internationale erhebt. Eben Grundpfeiler der AfD.

Kalbitz-Rauswurf aus AfD: Bei HDJ steht nur ein Buchstabe dazwischen

Und sicherlich auch die eines Jörg Meuthen, der sich an dem Schmuddelimage einer HDJ stört, wo man nur das D entfernen muss, um wieder im 1000-jährigen Reich angekommen zu sein. „Landolf Ladig“ hätte bestimmt weniger Berührungsängste, wobei auch der real existierende Höcke es noch nicht durch seine explizite Distanz zum Nationalsozialismus in die Schlagzeilen geschafft hat. Wäre auch genauso glaubwürdig, wie Meuthens verzweifelte Versuche, die AfD vom Rechtsextremismus wegzuquasseln.

Andreas Kalbitz zeigt sich übrigens zuversichtlich, juristisch erfolgreich gegen seinen Rausschmiss vorgehen zu können. Es sei ihm und der AfD zu wünschen – immerhin ist er ein prägendes Gesicht der Partei. (Von Katja Thorwarth)

Die Umfragewerte der AfD sind seit der Corona-Krise im Keller. Die ARD bietet dem Vorsitzenden Meuthen im Sommerinterview trotzdem ein Podium. Auch Tage danach tobt er. Die Kritik.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt

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