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Oxfam-Aktivisten in Feuerwehruniform und mit Masken des US-Präsidenten Biden und Großbritanniens Premierminister Johnson schütten Wasser auf die Installation einer brennenden Weltkugel, um eine ineffektive Bekämpfung der Klimakrise darzustellen. Rund 200 Staaten haben zwei Wochen lang darum gerungen, wie die Klimakrise eingedämmt werden kann.
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Oxfam-Aktivisten in Feuerwehruniform und mit Masken des US-Präsidenten Biden und Großbritanniens Premierminister Johnson schütten Wasser auf die Installation einer brennenden Weltkugel, um eine ineffektive Bekämpfung der Klimakrise darzustellen. Rund 200 Staaten haben zwei Wochen lang darum gerungen, wie die Klimakrise eingedämmt werden kann.

Klima

Junkies in Glasgow

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der UN-Klimaprozess alleine kann das drängendste Menschheitsproblem nicht lösen. Weitere Initiativen sind nötig. Der Leitartikel.

Ein Gedankenexperiment. Die Vereinten Nationen (UN) veranstalten eine Konferenz, um das globale Rauschgiftproblem in den Griff zu bekommen. Alle dürfen dabei sein und über die Maßnahmen mitbestimmen – auch die Produzenten von Heroin, Ecstasy und anderen Drogen, ebenso die die Dealer und die Abhängigen.

Die Abstimmungen müssen einstimmig erfolgen. Und wenn nur einer, zum Beispiel die Heroin-Produzenten aus Mexiko, mit der Abschlusserklärung nicht einverstanden ist, wird sie entschärft oder fällt ganz durch. Insofern würde es als Erfolg gelten, wenn es in dem verabschiedeten Text dann heißt: Der Rauschgiftkonsum soll bis 2030 weltweit halbiert und der Ausstieg aus dem Heroin angegangen werden. Nur: Zu hoffen, dass damit allein das Problem gelöst würde, wäre höchst naiv.

Die 26. UN-Konferenz zum globalen Klimaschutz-Problem hat genau unter solchen Bedingungen stattgefunden, so wie die 25 vorher auch. Die Kohlenstoff-Dealer waren stimmberechtigt, wie etwa Saudi-Arabien, Australien und Russland, die Abhängigen sowieso, also jeder der fast 200 Staaten der Erde. Insofern ist es fast schon ein Wunder, dass der „Glasgow Climate Pact“ zustande kam und von der Weltgemeinschaft abgenickt wurde.

Darin werden mehrere Leitplanken verankert. So soll das 1,5-Grad-Limit der Erderwärmung nicht überschritten werden. Das ist sogar eine Verschärfung gegenüber dem Paris-Abkommen von 2015, das auch zwei Grad zulässt.

Konkret sollen die globalen Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent, also fast die Hälfte, sinken. Erstmals wurde im Schlussdokument eines Klimagipfels mit dem Herunterfahren der Kohlenutzung auch eine konkrete, nämlich die – wenn umgesetzt – wirksamste Klimaschutzmaßnahme benannt. Zudem werden die Staaten zur Streichung der Subventionen für fossile Energieträger aufgefordert.

Das alles liest sich nicht schlecht. Es reflektiert die veränderte Stimmung auf dem Gipfel. Es ist die Folge der vielen hellsichtigen Momente in den zwei Glasgow-Wochen, in denen den Kohlenstoff-Süchtigen klar wurde: Es wird nach drei verlorenen Jahrzehnten globaler Klimapolitik nun wirklich ernst.

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, gerät die Lage außer Kontrolle. Die Emissionen müssen ab sofort radikal sinken, während sie bisher praktisch nur gestiegen sind. Und zum Selbstschutz, um das Kippen von zentralen Elementen des Klimasystems zu verhindern, will man sich längerfristig an den Rat der Sucht-Ärzte, also Klimaforscher, halten, die völlige Abstinenz als strikt zu verfolgendes Ziel vorgegeben haben.

Man darf die Sucht-Analogie nicht überstrapazieren. Doch es ist frappant, wie gut sie passt. Denn die Lichtblicke in Glasgow wurden durch die altbekannten Reflexe der Kohlenstoff-Junkies konterkariert, die den Zugang zu ihrem „Stoff“ nun doch nicht so radikal eingeschränkt sehen wollen.

Vor allem China und Indien, die zusammen global fast 40 Prozent davon verbrauchen, machten hier Druck. Die Formulierungen zu Kohleausstieg und Subventionen wurden abgemildert. Die Industriestaaten wiederum waren nicht bereit, ihre über zehn Jahre alte Zusage zur Klimafinanzierung für die Entwicklungsländer von 100 Milliarden Dollar jährlich endlich komplett zu erfüllen oder sie gar aufzustocken, wie es dringend notwendig wäre.

Zudem blockten die reichen Staaten die Forderung der besonders von der Klimakrise gebeutelten armen Länder nach einem vernünftig ausgestatteten Fonds zur Finanzierung von Hilfen bei Naturkatastrophen ab. Sie zeigten ihnen die kalte Schulter, obwohl sie, historisch gesehen, die Hauptschuldigen an der Klimakrise sind. Die alten Frontlinien zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sind wieder voll aufgebrochen.

Nüchternes Fazit: Glasgow hat bestätigt, was sich seit Jahren abzeichnet. Der UN-Klimaprozess alleine kann wegen seiner Konstruktion das drängendste Menschheitsproblem nicht lösen. Er gibt nur den Rahmen, in dem die einzelnen Staaten bestenfalls zu mehr Ambitionen motiviert werden können. Wirkliche Fortschritte wird es nur geben, wenn sich Vorreiterallianzen bilden, die andere Länder mitziehen.

Hier hat es auf dem Gipfel in Schottland durchaus wichtige Ansätze gegeben. Vor allem die überraschende Ankündigung von China und USA, trotz sonstiger Differenzen bei der Treibausgas-Reduktion gemeinsam vorangehen zu wollen. Die beiden sind ja die Nummern eins und zwei bei den globalen Emissionen.

Sehr wichtig werden auch Kooperationen von Industrie- und Schwellenländern werden, bei denen die reichen Staaten die Energiewende im globalen Süden kräftig mitfinanzieren, wie mit Südafrika und Indien verabredet. Weitere in Glasgow geschlossenen Abkommen wie zur Methan-Reduktion, zum Verbrenner-Aus oder zum Ende der Finanzierung fossiler Energieprojekte können zusätzlichen Schub geben.

Ob das reicht, den 1,5-Grad-Pfad noch zu erreichen? Man darf die Hoffnung, dass die nächste industrielle Revolution, von Fossil zu Erneuerbar, nun endlich mit Macht eingeleitet wird, nicht aufgeben. Alles andere würde bedeuten, wir kommen vom Rauschgift nie weg.

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