Kommentar

Johnsons Probleme

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Nach der Freude in Großbritannien über das Ausscheiden aus der EU wird der Brexit sich als Projektionsfläche für gegensätzliche Hoffnungen entpuppen. Ein Kommentar.

Es wird nicht viel bleiben von freundlichen Worten, wenn Brüssel und London das künftige Miteinander von EU und Großbritannien aushandeln. Erste Hinweise aus Brüssel lassen sich wie folgt übersetzen: Die britischen Konservativen können ihre Vision vom Singapur in der Nordsee vergessen. Johnson hat sich auf ein Kräftemessen eingelassen, das er nicht gewinnen kann.

Das größte Problem aber wartet auf den britischen Premier im eigenen Land. Die Brexit-Anhänger haben völlig konträre Ziele. Konservative und Neoliberale wollen mit dem Brexit die Brüsseler Bürokratie abschütteln, um dann einen mutigen, eigenen Weg auf die Weltmärkte zu wagen. Die anderen, darunter frühere Labour-Wähler, empfanden schon den EU-Binnenmarkt als Bedrohung; sie sehen sich als Modernisierungsverlierer und wollen jetzt weniger Markt, mehr nationale Abschottung – und mehr Geld für Soziales.

Lange schien im Ruf nach dem Brexit etwas Verbindendes zu liegen, gar ein Stück neuer britischer Identität. Bald aber werden Land und Leute entdecken, dass der Brexit keine Einigkeit schafft und auch kein einziges Problem löst. Der Brexit entpuppt sich als Projektionsfläche für gegensätzliche Hoffnungen, geschickt genutzt von völlig unredlichen Akteuren. 

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