+
Joe Biden begrüßte Kamala Harris mit den Worten: „Go easy on me, kid.“

Joe Biden

Nur ein bisschen besser als der misogyne Rassist Trump

  • schließen

Joe Biden nennt seine Kontrahentin Kamala Harris „Kid“. Das macht ihn nicht direkt zu einem Vollblutsexisten, aber es entlarvt eine abwertende Haltung gegenüber jüngeren Frauen. Ein Kommentar.

Die zweite Fernsehdebatte der Demokraten in der Nacht zu Donnerstag lief für Ex-Vizepräsident Joe Biden nicht besonders gut. Die anderen Kandidat*innen haben sich schon lange auf den bislang führenden Biden eingeschossen, besonders Kamala Harris attackierte den Ex-Vizepräsidenten bei der vergangenen Debatte scharf. Was wohl der Grund war, warum Joe Biden Kamala Harris diesmal mit den Worten begrüßte: „Go easy on me, kid.“ Was sich ungefähr so übersetzen lässt: „Sei nett zu mir, Kind“ oder auch „Kleines.“ Er bezeichnet eine Frau von 54 Jahren, die Präsidentin der Vereinigten Staaten werden will, als Kind. Das ist nicht nur unangebracht und respektlos, sondern auch sexistisch.

Um eines klarzustellen: Joe Biden ist beim Thema Sexismus meilenweit entfernt von der Dimension eines Donald Trump. Der US-Präsident ist ein völlig enthemmter Sexist, Frauenfeind und ein mutmaßlicher Sexualstraftäter, der bisher einer Verurteilung von einem Gericht entkommen konnte. Mehrere Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung vor. Er brüstet sich auch mit seinen Straftaten, wie der inzwischen berühmt gewordene „Grab them by the pussy“-Tonmitschnitt von 2005 beweist.

Joe Biden ist kein Vollblutsexist, aber er wertet Kamala Harris ab

Dennoch ist der „flotte Spruch“, den Joe Biden zu seiner Kontrahentin Kamala Harris zu Debattenbeginn sagte, sexistisch. Das macht Joe Biden nicht direkt zu einem Vollblutsexisten, aber es entlarvt eine abwertende Haltung gegenüber jüngeren Frauen. Und das ist ein Problem.

Er betrachtet sie nicht als gleichwertig, sie ist für ihn ein „Kind“, jemand, den man noch erziehen muss, die noch unerfahren ist, die noch nicht die Weisheit erlangt hat, wie er selbst. Das ist hochgradig respektlos. Sexistisch ist es, da er es zu einer Frau gesagt hat und eben keinen der – teilweise viel jüngeren - Männer so angesprochen hat. Joe Biden sagt zu Pete Buttigieg (37) „Kid“? Eigentlich unvorstellbar. Oder zu Barack Obama? Er ist nur drei Jahre älter als Harris und schließlich nicht mehr Bidens Vorgesetzter. Trotzdem wird Biden ihn wohl eher nicht als „Kid“ bezeichnen.

US-Wahlkampf: Alle gegen Joe Biden

Joe Biden mag seinen Spruch nett gemeint haben

Jede Frau kennt das, von älteren Männern als „Kind“, „Fräulein“ oder „Kleine“ bezeichnet zu werden. Das ist immer abwertend gemeint und soll den Status der Frau als minderwertig etablieren. Und der sprachliche Weg vom „Kind“ zum „Mäuschen“ und zur „Süßen“ ist nicht weit.

Wer sich gegen solche Anreden wehrt, wird meist gleich als Zicke abgestempelt, denn der Mann hat das ja nur nett gemeint. So wie Joe Biden. Das mag ja tatsächlich „nett“ gemeint sein und soll vielleicht sogar Sympathie ausdrücken, wertet die Angesprochene aber dennoch ab.

Nur weil die Latte in den USA im Moment so unglaublich niedrig hängt, heißt das nicht, dass wir nicht auf diese Töne achten müssen. Der nächste US-Präsident, egal ob Mann oder Frau, sollte jemand sein, der Frauen, egal welchen Alters oder sozialen Status, gleichwertig behandelt und respektiert. Und nicht jemand, der nur ein bisschen besser ist als der misogyne Rassist, der zurzeit das Weiße Haus bewohnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare