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Yakuza

Japans Cosa Nostra

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Mit einem Buch über die Yakuza überzeugen Herbert und Dabrunz.

D as sehr lesenswerte Buch zur japanischen Spielart der Mafia erklärt zu Beginn die Vorstellung einer Gesellschaft ohne organisierte Kriminalität als eine spezifisch deutsche Illusion: „Ausgenommen von diesem Trend (zur Bildung von Verbrechersyndikaten) waren in der Phase des ‚Kalten Krieges‘ Länder wie die Bundesrepublik Deutschland oder Österreich, also Länder, die direkte Grenzen zu denen des Ostblocks hatten. Hier ließ die Ballung von Militär und Geheimdiensten der organisierten Kriminalität nicht den Spielraum, sich zu Syndikaten zusammenzuschließen.“

Wer es nicht aus dem Leben kennt, der weiß es aus dem Film „Das Leben des Brian“: Organisationen schließen sich zusammen und zerfallen. Nacheinander und auch beides zugleich. Yakuza ist die japanische Bezeichnung für einen Gangster und für organisierte Kriminalität. Wer sich die Yakuza nur in dunklen Limousinen oder als Schutzgelderpresser vorstellt, verkennt ihre Verankerung in der Gesellschaft. Sie sind Staat im Staat auch in dem Sinne, dass sie für ihre Mitglieder – und zum Beispiel im Falle von Naturkatastrophen nicht nur für sie – Versorgungsleistungen erbringen.

Frauen können nicht Yakuza werden. Ausnahmen kommen vor: „Als Beispiel gilt hier die Frau des dritten Bosses der Yamaguchi-gumi, Taoka Fumiko, die, Witwe geworden, interimsmäßig das Syndikat anführte, bis sie den von ihr favorisierten Nachfolgekandidaten durchgedrückt hatte.“ Das war 1984. Die Organisation spaltete sich und es kam zu jahrelangen bewaffneten Auseinandersetzungen. „Erbfolgekrieg“ nennen Historiker dergleichen, wenn es an europäischen Fürstenhöfen passiert.

Dem historisch interessierten Leser drängt sich nach der Lektüre des Buches der Eindruck auf, die europäischen Staatenbildungen seien auch nichts anderes gewesen als der Kampf verschiedener Syndikate um immer größer werdende Beutestücke. Mal siegte das unternehmerische Interesse an Synergie, mal die Profilierungssucht der einen oder der anderen Seite.

Schön zu lesen sind auch die Einzelfallbeschreibungen, die einen Hauptreiz des Buches ausmachen. Die Lebensgeschichte von Don Inoue etwa. Auch über die Riten der Yakuza ist viel in „Japans Unterwelt“ zu finden, über die Frauenverachtung und die mit ihr einher gehenden Moralvorstellungen der Yakuza und über ihre gar nicht so spezifische Ökonomie. Arno Widmann

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