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Kolumne

Jäger und Treiber

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Was war da eigentlich passiert? Über Monate hieß es unisono: Peer, nur der. Und dann wurde er zum Loserpeer.

Wehe den Besiegten, erschreckte die Zeit ihre Leser drei Tage vor dem Urnengang der Niedersachsen, jenem Volksstamm, der sich im überkommenen Liedgut selbst bescheinigt, er sei sturmfest und erdverwachsen. High noon in der Lüneburger Heide und im Oldenburger Land. Kein Wunder, dass am Wahlabend die TV-Süchtigen über Stunden dem vorläufigen Endergebnis entgegenzitterten. Immerhin ging es nach der Zeit „für Angela Merkel um die Regierungsfähigkeit. Für Philipp Rösler und Peer Steinbrück ums Überleben“.

Dabei war das Bild vom Überlebenskampf der beiden Matadore gar nicht so abwegig, obwohl sie gar nicht direkt zur Wahl standen. Man kann darüber streiten, ob das mediale Dauerfeuer aus dem Rudel gegen die in kurzer Zeit zu tragischen Figuren mutierten Helden nun eine Kampagne oder eine Treibjagd war. Jäger oder Treiber, das zu erlegende Wild blieb stets fest im Visier. So wurden Wetten angeboten, wer von den beiden Gejagten bereits am Wahlabend entnervt als erster das Handtuch wirft. Noch vor der Schicksalswahl hatte Focus in vorauseilender Häme via Titelgeschichte dem „Problempeer“ ein in allen Farben changierendes blaues Auge verpasst. Der Spiegel ließ dagegen auf seinem Cover den Delinquenten als Finsterling in düsterem Ambiente grimmig auf den Betrachter los, schließlich gehe es „um Kopf und Kanzleramt“. Résumé: So sehen Verlierer aus.

Was war da eigentlich passiert? Über Monate hieß es doch unisono „Peer, nur der“. War schließlich der vereinigte Druck derer, die für die SPD immer nur das Allerbeste wollen, derart groß geworden, dass diese davon abrückte, den ultimativen Kanzlerkandidaten erst nach der Niedersachsenwahl zu küren? Es war die Summe von Ungeschicklichkeiten, die im Handumdrehen den Wunderpeer zu einem Loserpeer schrumpfen ließen.

Die mediale Meinungsführerschaft machte nicht zum ersten Mal deutlich, wer Herr des Verfahrens ist. Wer die Mücke vom banalen Gehältervergleich Sparkassenchef / Kanzler gleich zu einer ganzen Elefantenherde aufblasen kann, will deutlich machen, wer das Sagen hat. Und das nicht zum ersten Mal. Wer erinnert sich noch, wie einst Kurt Beck, der „Waldschrat aus der Pfalz“ (Süddeutsche Zeitung) als Tanzbär durch die Arena getrieben wurde. Zu viele Journalisten wollen immer häufiger selbst Politik machen, ohne die letzte Verantwortung zu übernehmen. Da war Spiegel-Chef Rudolf Augstein noch aus anderem Holz, als er sich 1972 für die FDP in den Bundestag wählen ließ. Dass er selbigen nach nur dreimonatigem Schnupperkurs enttäuscht verließ, steht auf einem anderen Blatt und erinnert daran, dass die Berichterstattung über Politik und das Ausüben von Politik zwei Paar Stiefel sind.

Und was ändert sich nun nach der Niedersachsenwahl? So gut wie nichts. Steinbrück wird wohl weiter gejagt, wie fast alle SPD-Kandidaten vor ihm. Auch die Betreiber des Meinungsumfragenunwesens werden weitermachen als journalistische Sättigungsbeilagen mit Forsa an der Spitze, wie falsch sie auch immer lagen. Sechs Tage vor der Wahl schrieb der Tagesspiegel: „Nur eine Landtagswahl? Eine Wahl, die das ganze Land betrifft! Die noch dazu ein Beben auslösen kann, wie es dieses Land womöglich so noch nicht erlebt hat. ... Am Wahlergebnis wird sich ablesen lassen, wer von September an die Bundesrepublik regieren kann.“ So ist es – Dank der Weisheit des niedersächsischen Wählers. Das lässt hoffen!

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