Wahl in Israel

Israelische Duftnoten

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Darf eine israelische Politikerin mit einem Parfüm für sich werben, das einen Hauch Faschismus verströmt?

Umfragen sind wie Parfüm, man sollte daran schnuppern, aber es nicht trinken, pflegte einst Schimon Peres zu sagen. Ein Freund in Jerusalem formuliert es drastischer: „Bei Umfragen wird nach Lust und Laune gelogen, in der Wahlkabine schlägt dann die Stunde der Wahrheit.“ Wer das Rennen am nächsten Dienstag macht, wenn die Israelis per Stimmzettel die 120 Knesset-Sitze verteilen, steht in den Sternen. Dass einige Duftnoten in diesem Wahlkampf arg zum Himmel stinken, hat zumindest das Bedürfnis nach Frischluft geweckt.

Voran der Videoclip von Justizministerin Ajelet Schaked. Sie ist das attraktive Gesicht der „Neuen Rechten“, jung, schön und skrupellos. Ihr Wahlkampfhit ist ein 100-Sekunden-Spot, der zunächst eine hübsche Parfümflasche namens „Fascism“ (Faschimus) ins Bild rückt.

Ajelet Schaked besprüht sich mit „Fascism“-Parfüm

Untermalt von sanftem Piano-Geklimpere streicht sich Schaked durchs lange Haar, fummelt am Ohrring, wirft sich einen weißen Umhang über die Schulter und steigt lasziv eine geschwungene Treppe hinab, derweil in großen Lettern ihre programmatischen Slogans wie „Juristische Revolution“, „Beschränkung der Justiz-Aktivitäten“ und – noch etwas deutlicher – „das Oberste Gericht zügeln“ über die Szenerie gleiten. Am Ende nimmt sie den Flakon, sprüht ein wenig „Fascism“-Parfüm in die Luft und bemerkt lakonisch: „Für mich riecht das mehr nach Demokratie.“

Man muss kein Verfechter von „political correctness“ sein, um diesen Flirt mit einem Hauch Faschismus geschmacklos zu finden. Ein Begriff, der sich unweigerlich mit dem von Nazi-Deutschland begangenen Massenmord an sechs Millionen europäischer Juden verknüpft. Entsprechend fassungslos reagierten viele in Israel.

Benjamin Netanjahu kämpft mit allen Mitteln

Ihr selbst habe die Idee zunächst auch nicht gefallen, ihre Kampagnenmanager hätten sie dazu überredet, hat sich Schaked angesichts des Sturm der Empörung gerechtfertigt. Man kennt das Muster: erst wird provoziert, dann relativiert. Maximale Aufmerksamkeit für sich und ihre ultranationalistische Partei hat Schaked dennoch ergattert. Das Beschneiden rechtsstaatlicher Einsprüche als Demokratie zu verkaufen, kommt bei der Gefolgschaft der „Neuen Rechten“ ohnehin gut an. Riecht verdammt faul? Was soll‘s.

Es geht schließlich um die Regierungsmacht, die auch Benjamin Netanjahus Likud ohne Rücksicht auf Verluste zu verteidigen sucht. So machten diese Woche die „New York Times“ und das israelische Blatt „Jedioth Achronoth“ die Existenz eines Netzwerks publik, das mutmaßlich geschaffen wurde, um mittels hunderten Fake-Accounts die Großtaten des Premiers in den sozialen Medien zu preisen und politische Gegner zu diffamieren. Sein Herausforderer Benny Gantz wurde gezielt als mental unstabiler Sexist hingestellt.

Parallelen zu Donald Trump

Ob der Likud dahinter steckt, ist nicht raus. Zum Beweis, reale Anhänger hätten da tausendfach auf eigene Faust gepostet und keine automatisierten Bots, erschien Netanjahu flugs mit einem Account-Betreiber vor der Presse. Peinlich nur, dass „Captain George“, so sein Twitter-Name, in seinen Tweets widerlich homophobes, rechtsradikales Gedankengut offenbarte.

Langweilig jedenfalls ist dieser mit Skandalen und Intrigen gespickte Wahlkampf nicht, der wie ein Politthriller die Israelis in Atem hält. Nicht Wenige rümpfen darüber die Nase. Aber das taten auch viele Amerikaner seinerzeit in USA und trotzdem trug Donald Trump den Sieg davon.

Inge Günther ist Autorin.

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