+
Stets in Eile: Donald Trump

USA

Die Irrwege des Donald Trump

  • schließen

Mit seinem neuen Dekret beseitigt Donald Trump die handwerklichen Fehler des ersten Anlaufs. Gleichwohl bleibt das Einreiseverbot ein fataler Irrweg. Ein Kommentar.

Eigentlich sollte es eine Satire sein: In dem großartigen Spielfilm „Wag the Dog“ inszeniert ein angeschlagener US-Präsident einen Krieg mit Albanien, um seine Wiederwahl zu sichern. Die Farce mit Dustin Hoffman und Robert De Niro ist schon 20 Jahre alt. Doch derzeit wird sie in Washington von der Realität überholt.

Aus Frust über die anhaltend negative Berichterstattung zu seinen unklaren Russland-Verbindungen schoss Donald Trump am Wochenende eine regelrechte Twitter-Tirade gegen seinen Vorgänger Barack Obama ab. Doch schon kurz darauf erwies sich der vermeintliche neue Watergate-Skandal als Rohrkrepierer. Also muss die öffentliche Aufmerksamkeit nun auf das nächste Thema gelenkt werden – das neue Einreiseverbot.

Dass Trump die Schmach der gerichtlichen Zurückweisung seines ersten Anlaufs für die  Aussperrung  zahlreicher Muslime nicht tatenlos hinnehmen würde, war zu erwarten.  Dazu ist das Thema bei seinen Wählern zu populär. Mit seinem neuen Dekret beseitigt er die haarsträubendsten handwerklichen Fehler des ersten Entwurfs, der ohne Übergangsfrist sogar Besitzer gültiger Einreisepapiere betraf. Auch vermeidet Trump dieses Mal den größten diplomatischen Kollateralschaden, ausgerechnet den Verbündeten Irak zu einem Herkunftsland des Terrors zu erklären.

Politisch bleibt der „Moslem-Bann“ gleichwohl ein fataler Irrweg: Er stigmatisiert Menschen aus sechs Ländern pauschal alleine aufgrund ihres Passes und ihres Glaubens. Die eigenen Bürger schützt er jedoch keineswegs wirksam vor Anschlägen, die in der Mehrzahl von radikalisierten Zuwanderern begangen werden, die längst im Land leben. Im Gegenteil: die USA bedienen mit dem undifferenzierten Einreisestopp ungewollt genau jenes Zerrbild einer freien Gesellschaft, das die fanatischen IS-Terroristen dringend brauchen. Die Diskriminierung ihrer Glaubensbrüder könnte den Mörderbanden damit am Ende neuen Zulauf verschaffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare