Kommentar

Irren ist tödlich

  • Martin Dahms
    vonMartin Dahms
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Die Coronakrise hält Europa in Atmen. Aber war es vielleicht voraussehbar? Der Kommentar.

Klein Erna geht zum Arzt. Der bittet sie, sich einen Strumpf auszuziehen. „Oh, darauf bin ich aber gar nicht eingestellt“, sagt sie, geht nach Hause und kehrt mit frisch gewaschenem Fuß zurück. Nach kurzer Untersuchung sagt der Arzt: „Und jetzt der andere Fuß.“ Klein Erna: „Oh, darauf bin ich aber gar nicht eingestellt.“

Ganz ähnlich ist es mit der Corona-Epidemie: Nach dem Ausbruch in China wollten manche die Gefahr für Europa wahrhaben und manche nicht. Von den sechs wissenschaftlichen Ratgeberinnen und Ratgebern der spanischen Regierung haben drei das Risiko lange kleingeredet. „Es gibt eine Epidemie der Angst, die wahrscheinlich bedeutender ist als die des Coronavirus“, sagte die Seuchenforscherin Hermelinda Vanaclocha Anfang Februar.

Irren ist menschlich, in diesem Fall aber tödlich. Den dreien weiter das Ohr zu leihen ist so klug, wie einem Klimawandel-Skeptiker das Umweltamt zu überlassen. Die Regierung ist der Epidemie bisher immer ein paar Tage hinterhergelaufen. Sie sollte nun wissen, dass es für Beschwichtiger zurzeit nur eine Aufgabe gibt: den Mund zu halten.

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