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Hüter der frauenfeindlichen Staatsideologie: Der iranische Ayatollah Ali Khamenei (Archivbild). Auch beim Erzrivalen Saudi-Arabien sieht das nicht anders aus.

Nasrin Sotoudeh und Loujain al-Hathloul

Die Ideologie der Mullahs ist die Perversion des Islams

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Zwei Frauen kämpfen gegen staatliche Unterdrückung. Die eine im Iran, die andere in Saudi-Arabien. Beide sitzen deshalb im Gefängnis. Empörung darüber reicht längst nicht mehr aus. Die Kolumne in der FR.

Diese Frauen hätten eigentlich den Friedensnobelpreis verdient. Die eine sitzt seit Juni 2018 in Iran hinter Gittern, weil sie Frauen, die sich weigerten, das Kopftuch zu tragen, verteidigt hat. Die andere wurde im Mai mit mehreren Mitstreiterinnen in Saudi-Arabien inhaftiert, weil sie sich über das damals noch geltende Fahrverbot für Frauen hinweggesetzt hatten. In beiden Fällen legt die herrschende Nomenklatura es darauf an, an ihnen ein Exempel zu statuieren.

Unter dem absurden Vorwurf, „Korruption und Prostitution“ gefördert zu haben, wurde jüngst die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh zu einer schockierend hohen Freiheitsstrafe verurteilt. Tatsächlich hat die 55-jährige Mutter zweier Kinder neben ihrem Eintritt für Frauenrechte Kindesmissbrauch aufgedeckt und Todesurteile gegen Minderjährige angefochten, wofür sie 2012 auch den Sacharow-Preis der EU erhielt.

Das Ziel der Mullahs ist, die mutigen Frauen zu brechen

Zu fünf Jahren Haft kämen jetzt noch mal, so ihr Ehemann, 33 Jahre wegen Auflehnung und Propaganda gegen das System hinzu, plus 148 Peitschenhiebe, weil Sotoudeh unverhüllt vor Gericht erschienen sei. Andere Quellen besagen, ihre Gesamtstrafe belaufe sich „nur“ auf zwölf Jahre. An der Absicht der Mullahs, diese mutige Frau zu brechen, ändert das nichts.

Aus gleichem Motiv wird derzeit Loujain al-Hathloul, Vorkämpferin der saudischen Frauenrechtsbewegung, nach Monaten der Folter in Riad der Prozess gemacht. Die 29-Jährige tat sich vor allem in der Kampagne hervor, Frauen endlich in Saudi-Arabien ans Steuer zu lassen, etwa als sie versucht hatte, im eigenen Wagen die Grenze ins saudische Königreich zu überqueren.

Mohammed Bin Salman lässt sich feiern

Kronprinz Mohammed Bin Salman hat sich für die Aufhebung des Fahrverbots im vergangenen Sommer zwar als „Reformer“ feiern lassen. Aber in seiner Allmachtlust ließ er jene zivilcouragierten Frauen, die ihn dazu gebracht hatten, zuvor noch schnell einsperren. Nach dem selbstherrlichen Motto, Rechte werden allenfalls von höchster Stelle gewährt, nicht von unten erkämpft.

Wie immer das Verfahren ausgehen wird, die Wut des Systems haben die Rebellinnen bereits in brutalster Weise zu spüren bekommen. Ihren Geschwistern berichtete Loujain al-Hathloul bei einem Haftbesuch, sie sei bei Verhören geschlagen, mit Elektroschocks traktiert und sexuell belästigt worden.

Nicht nur der Mord an Kashoggi verbietet Waffenverkäufe

Nicht anders springt der Iran mit Dissidenten um. Die Frage ist müßig, welches patriarchalisch-theokratische Regime schlimmer ist, das iranische oder das saudische. Die zwei Erzrivalen, die in Jemen und Syrien Stellvertreterkriege gegeneinander führen, sind sich verdammt ähnlich in ihrer frauenfeindlichen Barbarei.

Nicht nur der IS hat den Islam pervertiert, sondern auch die vorherrschende Ideologie dieser beiden Staaten. Sich darüber zu empören, reicht nicht. So gut und richtig es ist, dass etwa das Europäische Parlament sich mit den Frauenrechtlerinnen solidarisiert hat, bedarf es dringend des Nachdrucks, auch von deutscher Seite. Nicht allein der Mord an Jamal Khashoggi verbietet Waffenkäufe an die Saudis. Und das Festhalten am Atomdeal mit Teheran kann ja wohl nicht bedeuten, den Iranern übelste Menschenrechtsverstöße durchgehen zu lassen.

Nasrin Sotoudeh hat erklärt, das Urteil nicht anzufechten, um ihre Anwälte nicht in Gefahr zu bringen. Loujain al-Hathloul wiederum musste notgedrungen ein Gnadengesuch unterzeichnen, um weiteren Misshandlungen zu entgehen. Aber retten kann diese Frauen nur die Freiheit.

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