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Kolumne

Der inneren Stimme folgen

  • VonKarl-Heinz Karisch
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Auch aus Soziologen ist was geworden. Das beweist: Man soll bei dem, was man tut, nicht zu viel auf andere hören.

Ach, das schlechte Gewissen! Unsere Soziologie-Professoren müssen echt gelitten haben. Nicht, weil wir in ihren Augen vermutlich so herrlich unbegabt waren, sondern weil sie uns in einem Beruf ausbildeten, von dem sie vermuteten, er würde den meisten von uns eine lange Bekanntschaft mit dem Arbeitsamt bescheren. Das war Ende der 70er Jahre.

Hätten unsere Profs mal besser etwas mehr empirische Sozialforschung betrieben, sie hätten sich kräftig gewundert. Vielleicht mit der Bitte, ihnen alle fünf Jahre eine Postkarte zu schreiben samt der kurzen Info, was jeder gerade so macht. Mit meiner Erstsemestergruppe bin ich sauber durchs gesamte Studium gekommen. „Sexualerziehung als Bestandteil der politischen Bildung“, wunderbare vier Semester lang haben wir dieses Angebot belegt. Auch Volkswirtschaftslehre, Filmtheorie oder Psychoanalyse standen auf unserem Stundenplan. Die Geisteswissenschaften in Frankfurt am Main sind breit aufgestellt. Es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte.

Nur eine dunkle Ahnung unserer universitären Lehrherren hat sich bestätigt: Keiner aus unserer Gruppe ist Berufs-Soziologe geworden. Interessante Berufe hatten wir dafür nach einigen Jahren alle – vom Kindertherapeuten bis zum Journalisten. Ich kann den jüngeren Lesern nur eines empfehlen: Hört weniger auf Eltern, Lehrer und Nachbarn. Entdeckt Eure Talente lieber selbst, auch und gerade über ein paar Umwege, nach der Selbsterfahrung des großen französischen Schriftstellers André Gide: „Der gerade Weg führt immer nur ans Ziel.“ Es sollte nur aus Eurem Lebenslauf ersichtlich sein, dass Ihr Dinge zu Ende gebracht habt, bevor Ihr das nächste Projekt gestartet habt.

Freiheiten müssen gelernt werden

Die Zeiten, als der Sohn des Malermeisters den Laden automatisch übernommen hat, sind vorbei. Glücklicherweise auch für Töchter, die sich einstmals darauf vorbereiten mussten, dem Gatten eine treusorgende Hausfrau zu werden.

Aber machen wir uns nichts vor, die neuen Freiheiten müssen auch gelernt werden. Laut Umfragen ist jeder siebte Berufstätige der Meinung, er habe den falschen Beruf. Rund ein Viertel aller Beschäftigten hat bereits die innere Kündigung eingereicht und schleppt sich nur noch mühsam zur Stechuhr. Dabei hat das Glück am Arbeitsplatz nichts mit dem Verdienst zu tun. So erreichen Wissenschaftler bei Umfragen den höchsten Zufriedenheitswert, viel höher als die besser verdienenden Betriebswirte oder Mediziner. Wenigstens soviel Trost spendet die Datenlage der Statistiker dann doch: Immerhin jeder Zweite ist hochzufrieden in seinem Beruf.

Der Sohn einer Freundin macht hier in Berlin gerade sein Schülerpraktikum. In einer Firma für Schädlingsbekämpfung. Klingt etwas ungewöhnlich, aber der junge Mann ist mit Feuer und Flamme dabei. Er ist nicht, wie die meisten Schüler, zu den großen Firmen gegangen, sondern hat auf seine innere Stimme gehört. Die Australierin Bronnie Ware begleitet Sterbende und hat darüber das Buch „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ geschrieben. Deren häufigster Satz lautet: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“. Das ist ihre Botschaft: Lasst Euch von niemandem davon abbringen, was Ihr machen wollt. Und macht niemals die Dinge, von denen Ihr glaubt, dass andere sie von Euch erwarten.

Karl-Heinz Karisch ist Autor.

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