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Gastbeitrag

Impfen gegen die Armut

Mit relativ wenig Geld lassen sich Krankheiten vorbeugend bekämpfen. Jetzt kommt es auf die deutsche Kanzlerin an.

Von Amadou Diallo

Nachdem Kanzlerin Angela Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos ihre Amtskollegen aus aller Welt getroffen hat, wird sie nächste Woche selbst zur Gastgeberin. Im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft bittet sie die Regierungen der wichtigsten Geberländer der Welt nach Berlin, um für die nächsten fünf Jahre neue Mittel für die globale Impfallianz Gavi zu sichern. Gavi ist eine Allianz von Entwicklungsländern, Gebern und dem privaten Sektor, die seit dem Jahr 2000 lebensrettende Kinderimpfungen in den 73 ärmsten Ländern der Welt finanziert.

Neue finanzielle Verpflichtungen für Gavi würden in den nächsten Jahren Millionen Kinderleben retten. Darüber hinaus sind Kinderimpfungen historisch gesehen eine der erfolgreichsten und effizientesten Gesundheitsinvestitionen überhaupt. Geimpfte Kinder sind gesünder, haben somit größere Chancen, zur Schule zu gehen, dort bessere Leistungen zu erbringen und sich zu produktiven, gesunden Erwachsenen zu entwickeln.

Diese Art von Investitionen in Kindergesundheit trägt dazu bei, langfristiges, nachhaltiges Wachstum und Wohlstand in vielen unserer Partnerländer zu unterstützen, zur Weltwirtschaft beizutragen und wichtige neue Möglichkeiten für unsere Exportmärkte zu eröffnen.

Verbesserter Zugang zu Impfungen hat ohne jeden Zweifel die vermeidbare Kindersterblichkeit in den letzten 25 Jahren dramatisch reduziert. Es sterben jedoch noch immer 1,5 Millionen Kinder jedes Jahr an Krankheiten wie Durchfall, Masern oder Lungenentzündung, die durch Impfen vermeidbar wären. Um diese Fälle von Kindersterblichkeit in der Zukunft zu vermeiden, sind nach Schätzungen von Gavi 7,5 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2016 bis 2020 nötig, um mehr als 300 Millionen Kinder zu impfen und so zwischen fünf und sechs Millionen Kinderleben zu retten. Diese Zahlen entsprechen in etwa 25 US-Dollar pro geimpftem Kind.

Trotz dieser Zahlen könnte man sich fragen, warum die Kanzlerin nächste Woche die Regierungsvertreter aus den USA, Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern darum bitten sollte, ihre Investitionen in Gavi zu erhöhen. Gavis Lösungsansatz nimmt ein Problem in Angriff, das für uns oft nicht vorstellbar erscheint: Die Regierungen der ärmsten Länder der Welt können sich nicht einmal diese 25 US-Dollar leisten, um ihre Kinder vor lebensbedrohlichen Krankheiten zu schützen. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit von Gavi ist daher ihre Marktmacht, indem sie die erhöhte Nachfrage für die von ihr finanzierten Impfstoffe dazu nutzt, mehr Anbieter auf den Markt zu bringen. Dies hat zur Folge, dass ein ausreichendes Angebot gewährleistet ist und die Preise für die ärmsten Länder reduziert werden. So ist dank Gavis Arbeit seit 2010 der Preis pro Impfpaket, das ein Kind gegen kritische Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Lungenentzündung schützt, um fast 40 Prozent gesunken.

Dank dieses Effekts, der niedrigere und nachhaltige Impfpreise bringt, erzielen Gebermittel eine längere Wirkung und erhöhen die Fähigkeit der Entwicklungsländer, langfristig ihre eigenen Impfstoffe zu bezahlen. Und sobald Volkswirtschaften aufgrund der gesünderen Bevölkerung wachsen und Länder mehr Einkommen generieren, können Regierungen einen höheren Anteil eigener Mittel einsetzen, damit jedes Kind erreicht wird.

Schätzungen zufolge belaufen sich die wirtschaftlichen Vorteile von Gavis Plan, 300 Millionen Kinder in dem Zeitraum 2016 bis 2020 zu impfen, über erhöhte Produktivität und Einsparungen in den Gesundheitssystemen auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus haben sich die Partnerländer dazu verpflichtet, einen Teil der Impfkosten selbst zu tragen – und sobald ihre Wirtschaft wächst, wächst auch ihr Finanzierungsanteil. 20 Länder sind bereits auf dem Weg, künftig ohne Gavis finanzielle Hilfe auszukommen. Man schätzt, dass der Anteil von Gebermitteln von derzeit 80 Prozent auf weniger als 60 Prozent im Jahr 2020 sinken wird.

Jetzt ist es an der Zeit für Deutschland und die Kanzlerin, wichtige Brücken zu schlagen – von Davos nach Berlin, von Ökonomen zu Entwicklungshelfern und Kinderrechtlern. Wir haben nächste Woche die historische Gelegenheit, weltweit Wohlstand und Wirtschaftswachstum zu erhöhen und gleichzeitig Millionen von Kinderleben zu retten – und müssen dieser Verantwortung gerecht werden.

Amadou Diallo ist Vorstandsvorsitzender der Hilfsorganisation Amref Deutschland (www.amrefgermany.de).

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