+
Ganz in die Flagge gekleidet: Ein Trump-Anhänger in Kentucky. Wem der Streifen und Sternchen Look nicht gefällt, kann auch Hexenjagd-T-Shirts kaufen.

Impeachment

Team Trump verkauft jetzt auch T-Shirts zur „Hexenjagd“

  • schließen

Mitten im Impeachment-Verfahren vertreibt US-Präsident Donald Trump T-Shirts zur „größten Hexenjagd der Geschichte“. Aber wer wird überhaupt gejagt?

Halloween ist vorüber, doch die Hexenjagd ist längst nicht vorbei. Seit Monaten läuft sie, ihr Epizentrum ist Washington und laut Donald Trump ist es mittlerweile „die größte Hexenjagd in der Geschichte der USA“. Größer - und wohl schlimmer - als die Hexenprozesse von Salem im Jahr 1692, in deren Folge 19 Menschen hingerichtet wurden und Hunderte gefoltert. 

In Washington hat bislang noch niemand sein Leben wegen derartiger Verfolgung verloren und nach bisherigen Erkenntnissen ist auch niemand körperlicher Folter ausgesetzt gewesen. Trump twitterte bis zum 4.11.2019 trotzdem bereits 336 Mal darüber. Seit die Demokraten das Impeachment-Verfahren gegen den amtierenden US-Präsidenten in Gang gebracht haben, erst recht: allein 38 Mal in den vergangenen 30 Tagen.

Donald Trump und seine Lieblingstweets: Von „Witch Hunt“ bis „Obama“

Und so wird die Klage über die „Witch Hunt“ (Hexenjagd) zum neuen Slogan der Trump‘schen Twitterei und komplettiert deren Markenkern, bislang laut den Trump-Archiven hauptsächlich geprägt von den „Fake News“ (582 Erwähnungen), den Clintons (730) und Obama (2.833!).

Die Hemden mit der „Hexenjagd“ gibt es für sie und ihn und ihre Kinder.

Doch eine richtige Marke braucht mehr als nur Slogans. Das weiß Trump, der gerade von einem New Yorker Gericht zu einer Zahlung von zwei Millionen Dollar verurteilt wurde. Kaum einer kennt sich so gut mit Marken aus wie er, der sich selbst zu einer gemacht hat, die längst unabhängig von der Realität existiert. Und wohl auch deshalb gibt es nun Merchandising-Produkte zur Witch Hunt.

Pleite in Kentucky - ein schlechtes Omen für Donald Trump?

Impeachment-Verfahren: Die drei Protagonisten auf einem Shirt

Angeboten werden unter anderem T-Shirts auf www.donaldjtrump.com mit dem Slogan „Stop the Witch Hunt“ (Stoppt die Hexenjagd) und einer comic-artigen Bebilderung, die stark an den US-amerikanischen Fantasyfilm „Hocus Pocus - Drei zauberhafte Hexen“ erinnert.

Es zeigt Donald Trump als Superheld im Anzug, in der geballten Faust die amerikanische Flagge, fliegend über dem Kapitol in Washington. Über dem Superhelden-Präsidenten sehen wir drei Hexen, die den Super-Präsidenten mit Blitzen zu attackieren versuchen, dabei aber durchaus verängstigt aussehen. Die drei Hexen erinnern an die politischen Widersacher Trumps, namentlich Adam Schiff, Nancy Pelosi und Jerry Nadler. Oder wie es in der Produktbeschreibung des T-Shirts steht: „Shifty Schiff, Nervous Nancy und Demokrat Hack Jerry Nadler“. Die drei Protagonisten im Impeachment Verfahren gegen Trump.

Donald Trump, ein T-Shirt und drei Fragen

Doch das T-Shirt wirft gleich mehrere Fragen auf, die US-Comedian John Oliver in seiner Late Night Show „Last Week Tonight“ stellt:

  1. Warum sind es die Hexen, die in dieser Hexenjagd andere Leute jagen? Ist das dann überhaupt noch eine Hexenjagd?
  2. Wenn die Hexen es sind, die jagen, warum schauen sie dann so verängstigt?
  3. Wieso ist Trump als Superheld dargestellt und was hat das Superhelden-Genre mit der Hexenjagd zu tun?

Fragen über Fragen, doch leider findet auch der sonst so gewiefte John Oliver auf diese keine Antworten. 30 US-Dollar kostet das T-Shirt übrigens, und wer noch ein T-Shirt mit der Aufforderung „Read the Transcript“ (Lies die Niederschrift) erwirbt oder - noch besser - dem Konterfei des demokratischen Abgeordneten Schiff mitsamt roter Clownsnase und einem „Bleistift-Nacken“ (so beschimpft man in den USA gerne mal mutmaßliche Feiglinge), der oder die kann vielleicht sogar das Porto sparen. T-Shirts gibt es für Männer wie Frauen in den Größen S bis XXXL. Produziert wurden sie „stolz in den USA“.

Präsidentschaftskandidatur: Trump lästert über seinen möglichen Herausforderer Bloomberg

Impeachment-Verfahren: Auch Donald Trump Junior mischt mit

Und wem das alles noch nicht verwirrend genug ist, dem sei ein Blick in die sozialen Medien empfohlen. Dort stoßen wir auf Donald Trump Jr., den ältesten Sohn Trumps, der sich von seinem Vater zu Kampfsportevents ausführen lässt und der bei Fox News über seine gar nicht mehr geheimen Träume spricht, der Sohn des früheren Vizepräsidenten Joe Biden zu sein. Denn „dann wäre ich wirklich reich und könnte vom Namen meines Vaters leben“, sagte Donald Trump Junior.

Auch Donald der kleine findet das Impeachment-Verfahren gegen seinen Vater mal gefährlich, mal absurd und mal lächerlich. Auf jeden Fall falsch. Um das seiner Fangemeinde auf Instagram zu vermitteln, postete er Bilder seines Partner-Kostüms mit seiner neuen Freundin Kimberly Guilfoyle, ehemalige Moderatorin beim Trump-Sender Fox News. Guilfoyle ging als Hexe (haha). Trump Junior als Jäger (hahahaha). Zusammen ergibt das dann ... Hexenjäger?

Donald Trump Junior und Kimberly Guilfoyle komplettieren die Hexenjagd

Auf dem Foto steht Guilfoyle in einem eher günstig wirkenden Hexenkostüm neben Trump Junior, der sich mit der kindischen Freude eines 12-Jährigen in den Augen in einen Tarnanzug geworfen hat und einen High-Tech-Jagdbogen präsentiert, der auch von der Spielzeugmarke „Nerf“ hätte entworfen werden können. 

Trump Junior macht das übrigens die ganze Zeit, also mit High-Tech-Bogen und in Tarnanzug durch die Gegend laufen. Normalerweise schießt er damit aber auf Fische oder andere wehrlose Tiere, gerne auch mal vom Aussterben bedrohte Arten. Bislang unbekannt ist seine Affinität, auf Hexen Jagd zu machen. Und macht ihn das zu einem Demokraten, seine Lebensgefährtin zu seinem Vater? Die Hexenjagd bleibt verwirrend. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare