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Drei Grundschülerinnen in einem Gymnasium in Kiel. Immer mehr Kinder in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus.
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Drei Grundschülerinnen in einem Gymnasium in Kiel. Immer mehr Kinder in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus.

Leitartikel

Immer auf die Kinder

  • Jan Sternberg
    VonJan Sternberg
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Ein kontinuierlicher Anstieg der Infektionen bei Schülerinnen und Schülern nach den Herbstferien ist nicht mehr zu vermeiden. Doch alle sind zu müde von der Pandemie, um das einen Skandal zu nennen. Der Leitartikel.

Auch Ministerinnen und Minister sowie Abgeordnete sind müde von der Pandemie. So wird die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ wohl nicht mehr verlängert, zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Die Inzidenzen sind wieder dreistellig, die dunkle Jahreszeit beginnt erst, und nichts spricht dafür, dass dieser Winter besser wird als der letzte.

Die Impfkampagne lahmt und wird nicht wieder auf die Beine kommen. Wer jetzt noch nicht geimpft ist, wird es lange bleiben, um es einmal passend zur Jahreszeit mit dem Lyriker Rainer Maria Rilke zu sagen. Weder Freibier noch Kampagnen noch wenig subtiler Druck über kostenpflichtige Tests und 2 G-Regelungen bringen Impfskeptische in Massen dazu, doch noch den Oberarm freizumachen.

In Gegenden mit besonders geringer Impfquote wie etwa im Erzgebirge und der Oberlausitz dreht sich ein Teufelskreis der Pandemie: Gastronomen werben damit, keine Corona-Regeln zu befolgen, die Kommunen kontrollieren nicht, und so feiert jeder seinen persönlichen „Freedom Day“.

Die menschliche Psyche ist nicht auf mehrjährige Ausnahmezustände ausgelegt. Alles Erregungspotenzial ist aufgebraucht. Nicht alles daran ist problematisch. Die Erkenntnis, dass das Virus nicht weggehen wird, dass wir damit leben müssen, ist Fakt. Dass es in diesem Winter keinen „Freedom Day“ geben wird, keine Aufhebung aller Maßnahmen, sollte es auch sein. Aber ansonsten: überall haarsträubende Nonchalance.

Wir wissen nicht, wie viele Menschen genau geimpft sind? Wir wissen kaum noch etwas Belastbares über die Infektionsentwicklung, seit die Tests kostenpflichtig geworden sind? Wir werden bald keine rechtlich saubere bundesweite Grundlage für die restlichen Corona-Maßnahmen mehr haben? Wir haben gerade irgendwie auch keine Regierung, was soll man da erwarten?

Ein kontinuierlicher Anstieg der Infektionen bei Schülerinnen und Schülern nach den Herbstferien ist nicht mehr zu vermeiden. Dabei ist das der eigentliche Skandal: Millionen Familien haben für die Herbstferien die Fernreisen gebucht, die sie sich im Sommer noch nicht anzutreten getraut haben, an den Flughäfen herrscht Rückkehrerchaos ohne Kontrolle der Einreisebestimmungen, die Schulen testen manchmal und manchmal nicht, die Maskenpflicht ist fast überall abgeschafft, Luftfilter gibt es vielerorts immer noch nicht, fürs Dauerlüften wird es zu kalt – das ist nichts anderes als der Beschluss zur Durchseuchung der Kinder durch politische Unfähigkeit.

Das ohnehin sarkastische Schlagwort von der „Pandemie der Ungeimpften“ bekommt einen bitteren Beigeschmack, wenn damit diejenigen gemeint sind, die sich noch nicht impfen lassen können. Die Geschichte der Pandemie hat eine Konstante: Leidtragende sind immer die Kinder.

Währenddessen erklärt sich mit Joshua Kimmich ein ungeimpfter Angestellter des FC Bayern München für nicht unsolidarisch, weil er ja regelmäßig getestet würde. Das bezahlt übrigens sein Arbeitgeber. Auch ungeimpfte Mitglieder des Bundestags können sich zur Teilnahme an der konstituierenden Sitzung am Dienstag kostenlos von der Parlamentsärztin testen lassen. Sowohl Kimmich als auch die Abgeordneten könnten die Tests problemlos auch bezahlen. Viele andere können das nicht. Das ist ein zumindest gedankenloser Umgang mit Privilegien.

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