Imam-Ausbildung

Imam-Ausbildung in Deutschland: Unabhängig? Ja, aber richtig

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Wenn der Muslim-Verband Ditib eine Ausbildungsstätte für Imame in Deutschland eröffnet, ist das ein Fortschritt. Aber was ist mit der Abhängigkeit von der Türkei? Der Kommentar.

Wenn in hiesigen Ditib-Moscheen künftig mehr deutschsprachige Imame predigen, die nicht in Bursa oder Trabzon aufgewachsen sind, sondern in Köln oder Hildesheim, dann ist das schon deswegen eine sinnvolle Sache, weil es der Lebensrealität einer immer größeren Zahl von Gläubigen entspricht.

Doch dass der Ditib-Vorsitzende die Eröffnung der ersten verbandseigenen Ausbildungsstätte für Imame auf deutschem Boden als „historische Entwicklung“ bezeichnet hat, ist völlig überzogen. Denn das Grundproblem, dass der größte deutsche Islamverband finanziell und ideologisch am Tropf der türkischen Religionsbehörde Diyanet hängt, besteht weiter. Solange sich das nicht ändert, kann sich hierzulande zumindest unter dem Dach der Ditib keine eigenständige, von der hiesigen Lebenswelt geprägte Strömung des Islam herausbilden. Dabei wäre das bitter nötig.

Es geht nicht darum, von Imamen unbedingte Loyalität zum deutschen Staat einzufordern oder zu verlangen, dass sich alle Gläubigen zu liberalen Reformern wandeln. Aber so laut die Ditib und andere Islamverbände immer wieder gegen staatliche Einmischung in ihre religiösen Angelegenheiten wettern, so konsequent sollten sie künftig auch ihre Unabhängigkeit von ausländischen Regierungen anstreben.

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