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Kolumne

Hotel in Miami, Auto bei Orlando

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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US-Polizisten können auch anders – jedenfalls, wenn man Deutscher ist und von der Autobahn erzählen kann.

Eigentlich schreibe ich ja ungern über ein Thema, das alle anderen auch gerade beackern. Warum also nun über die USA? Weil in mir gerade viele Erinnerungen aufwallen, von denen ich Ihnen eine nicht vorenthalten möchte:

Viele Jahre ist es her, ich war auf Dienstreise in Miami. Da erreichte mich der Anruf jener Zeitschrift, für die ich damals arbeitete. Ich solle doch mal hochfahren in den Norden, dort seien schon wieder deutsche Touristen ermordet worden. Das war in der Zeit schon mehrfach passiert, viele hatten gar wegen dieser Überfallserie ihre Reise in den US-Staat Florida storniert.

Ich solle dort schon mal recherchieren, ein Kollege aus New York sei unterwegs, der löse mich dann ab. Ich also ins Auto, hoch in den Norden, in die Nähe von Tallahassee, Fahrzeit etwa sieben Stunden. Ich hatte es eilig. So erblickte ich etwa auf der Höhe von Orlando im Rückspiegel die bekannten rot-blauen Blinklichter, von deren Aufleuchten man selten Gutes zu erwarten hat. Ich hielt an, legte die Hände aufs Lenkrad, so wie es nun mal anzuraten ist, wenn man nicht in verlötetem Gehäus’ zurückfliegen möchte.

Ein (klar, was sonst?) hünenhafter Sheriff schlenderte herbei, begehrte meine Papiere und stieß erfreut aus: „Germany? Great, man. Autobahn!“ Ob das denn wirklich stimme, dass man in Deutschland so schnell fahren kann, wie man will. Ich nickte so emsig, als könnte man in Deutschland doppelt so schnell fahren, wie man will, denn ich versprach mir davon eine Hafterleichterung, wenigstens aber Strafminderung. Warum ich denn so hurtig unterwegs sei, fragte der Sheriff, nun schon deutlich zutraulicher. „German reporter? Great, man“ sagte er dann, und ja, es sei fürchterlich, was Touristen da gerade passiert und stieß eine Reihe fürchterlichster Schimpfwörter aus, gemünzt auf die vermeintlichen Täter.

Ja, er habe auch gehört, dass im Norden schon wieder was passiert sei, und wisse ich was? Er habe sich eh überlegt, da mal hinzufahren und sich das anzusehen. Ich solle doch mein Auto stehen lassen und bei ihm einsteigen. Das tat ich denn auch. Er meldete sich per Funk ab, sagte noch seinen Kollegen, es sei okay, dass da ein Ford am Rande des Highways steht, schaltete seine Sirene an und brauste los. Es war ein unterhaltsamer Ritt, vierhundert Kilometer lang. Ich durfte sogar rauchen, wir plauderten nett, ich meine, sogar irgendwann behauptet zu haben, dass man in Deutschland sieben Mal so schnell fahren kann, wie man will.

Am Tatort angekommen, begrüßte er freudig seine Kollegen, stellte mich als „good ol’ friend Michael from Germany“ vor, ich erhielt Kaffee und Donuts aus dem polizeilichen Cateringmobil und Informationen aus erster Hand. Nach etwa zwei Stunden meinte George, wie mein alter guter Freund hieß, er müsse nun wieder zurück, er sei schließlich im Dienst. Er versicherte mir noch rasch, dass ich ein wirklich guter Kerl sei, stieg in sein Auto und raste davon. Da stand ich nun. Mein Hotel in Miami, mein Auto bei Orlando und ich bei Tallahassee.

Am Abend löste mich der Kollege aus New York ab, ich mietete mir ein zweites Zimmer und am nächsten Morgen ein zweites Auto und fuhr wieder nach Süden. Merklich langsamer – und um eine Lektion in Sachen Land und Leute reicher.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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