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Wankelmütig: Horst Seehofer.

CSU-Chef

Wie Horst Seehofer die Verantwortung abgibt

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Sollte CSU-Chef Horst Seehofer auf die Spitzenkandidatur für die Wahl verzichten, gäbe er nicht einfach dem Drängen nach Erneuerung nach. Unser Kommentar.

Positiv kann man sagen: Horst Seehofer hat es spannend gemacht. Wieder und wieder hat er die Personalentscheidungen in der CSU hinausgezögert, hat sich entschieden aufzuhören und dann doch wieder beschlossen weiterzumachen, hat Andeutungen gemacht, Personen nach vorne geschoben und zurückgeschubst. Nie war es sicher, ob die nächste Frist die letzte sein wird oder ob danach nicht alles nochmal von vorne los geht. Unterhaltsam war das allemal.

Der Partei hat diese Strategie maximal geschadet. Dazu hat Seehofer beigetragen, aber auch sein Kontrahent Markus Söder, der so gar nicht an sich halten konnte mit seinen Machtgelüsten. Die CSU hat sich dadurch über Jahre mit sich selbst beschäftigt. Der Kampf mit der CDU um die Flüchtlingspolitik, der beide Parteien in Schwierigkeiten gebracht hat, wäre wesentlich gesitteter abgelaufen, wenn er nicht gleichzeitig noch ein CSU-internes Schattenboxen gewesen wäre.

Nun steht die Partei als gefledderter Haufen da, in dem nicht Vernunft, sondern Neid, Missgunst und üble Nachrede regiert. Mit Wert- und Moralpredigten braucht so eine Partei länger nicht mehr zu kommen, als Regierungspartei hat sie sich nun wirklich nicht empfohlen und künftige Einigkeitsschwüre wird das schiefe Lächeln als Meineide entlarven. Wenige Monate vor der bayerischen Landtagswahl hat die CSU-Spitze ihre Partei also in keine besonders günstige Lage manövriert.

Wenn Seehofer da nun den Rückzug anträte, wenn er etwa zumindest auf die Spitzenkandidatur für die Wahl verzichtete, gäbe er nicht einfach dem Drängen nach Erneuerung nach. Er überließe auch die Verantwortung für ein wenig glorreiches Wahlergebnis einem anderen. Und weil dieser andere aller Wahrscheinlichkeit nach Söder heißen wird, könnte es sein, dass dessen Karriere nach einem kurzen Aufschwung wieder vorbei ist.

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