Vielleicht wäre diesmal der passende Moment für Horst Seehofer, einmal über die Rente nachzudenken.
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Vielleicht wäre diesmal der passende Moment für Horst Seehofer, einmal über die Rente nachzudenken.

taz-Kolumne

Horst Seehofer und die taz: Gerade noch richtig abgebogen

  • Thomas Kaspar
    vonThomas Kaspar
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Wer glaubte, der einstige Politrambo Seehofer habe sich gebessert, ist jetzt eines besseren belehrt. Kaum wird der Innenminister provoziert, schießt er rechts über das Ziel hinaus. Ein Kommentar von Thomas Kaspar.

  • Horst Seehofer will nun doch keine Strafanzeige gegen die taz stellen
  • Kanzlerin Angela Merkel riet ihm davon ab
  • Der Innenminister will nun Beschwerde beim Presserat einlegen

Berlin - Wieder macht Horst Seehofer seinem Spitznamen „Drehhofer“ alle Ehre. Zum Glück hat er diesmal noch die richtige Kurve genommen und auf eine Strafanzeige gegen die taz verzichtet. Er nutzt stattdessen die passenden Mittel bei Verärgerung: Gespräch mit der Chefredaktion und Beschwerde beim Presserat. So geht Mediendemokratie. 

Horst Seehofer kündigt erst rechtliche Schritte gegen taz-Kolumnisten an

Seehofer kann staatstragende Sätze formulieren, denen nahezu jeder beipflichten kann. „Eine Enthemmung der Worte führt unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen“. Seine Worte, als er Anfang der Woche ankündigte, gegen die taz-Kolumnisten Hengameh Yaghoobifarah strafrechtlich vorzugehen, haben wir entsprechend kommentiert

Passender wäre gewesen, er hätte dies bei der Vielzahl rechter Übergriffe öffentlich geäußert. Kaum geht es gegen seine Behörde, wirft der vielfach in seiner politischen Karriere Entgleiste anderen einseitig Enthemmung vor.  

Dann macht Horst Seehofer einen Rückzieher - und schießt trotzdem übers Ziel hinaus

Jetzt schiebt Seehofer also wieder so einen Satz nach: „Es gibt Grenzen des Umgangs miteinander, die in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht überschritten werden dürfen.“ Richtig, aber das gilt zuallererst für ihn selbst. Wenn es des Rats der Kanzlerin bedarf, dass der Innenminister nicht rechts über das Ziel hinausschießt, sind Zweifel am Amtsverständnis angebracht.

Für einen kurzen Moment hatten Beobachter geglaubt, der einstige Politrambo Seehofer habe sich gebessert, etwa als er für die Aufnahme von aus Seenot im Mittelmeer Geretteter eintrat. Doch kaum wird der Bayer provoziert, zeigt sich, dass dies wohl eher nur Fassade für den Wahlkampf war. Der Wolf kann noch so viel Kreide schlucken, um ins Haus der Wähler-Geißlein gelassen zu werden. Am Ende bleibt er, was er ist. 

Nach Streit mit der taz: Horst Seehofer sollte über Rente nachdenken

Der 70-Jährige ist in seiner 50-jährigen Politik-Karriere so oft von Rücktritten zurückgetreten. Vielleicht wäre diesmal der passende Moment, einmal über die Rente nachzudenken. Und vielleicht nimmt er einen anderen Minister seiner Partei mit aus dem Amt. (Thomas Kaspar)

Nach der angedrohten Anzeige von Bundesinnenminister Horst Seehofer kommt es für die Tageszeitung „taz“ noch dicker: die konservative Werteunion will die „taz“ vom Verfassungsschutz beobachten lassen.

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