Kolumne

Hoffnung an Chanukka

  • schließen

Die Zeiten werden wieder rauer, aber das heißt nicht, dass wir die Entwicklung nicht umkehren können. Wir dürfen nur nicht aufgeben, das zu versuchen.

In besonders grauen und dunklen Zeiten braucht es Hoffnung. Der Dezember raubt den ohnehin schon kurzen Tagen mit seinem kalten Nebel das spärlich übrig gebliebene Licht. Aber die Menschen sind schlau. Sie machen selbst, was sie in der dunklen Zeit am Meisten brauchen: Licht und Farbe. Das christliche Weihnachten feiert die Geburt eines Babys, das die Menschheit erlösen soll. Alle jungen Eltern kennen doch diesen Augenblick, voller Hoffnung und Liebe, wenn sie ihr Neugeborenes anschauen. 

Das Christkind wurde in einem Stall geboren, weil sonst kein Platz war für die geflüchteten Eltern. Eine Geschichte über Flucht, Fremde und Mitgefühl. Ausgerechnet dieses Kind wurde zum Symbol der christlichen Welt mit ihren Werten. Was für eine hochpolitische Geschichte in diesen Tagen. 

Aber das hier soll keine Weihnachtskolumne sein, die kommt vielleicht später. Heute geht es um Chanukka, dem jüdischen Lichterfest. 

Ich finde ja, es macht wenig Sinn über Antisemitismus zu reden, ohne auch mal über das Jüdische zu erzählen. Darüber wissen die Leute meist wenig. Chanukka hat gerade begonnen. Der Anfang geht genauso. Erst Dunkelheit, Kälte, alles grau, kurze Tage: Winter eben. Das Gegenmittel ist auch ähnlich. Licht, Kerzen und beides gebührend feiern. Die Geschichte dahinter ist auch sehr politisch. Sie begründet die wunderbare Hoffnung, dass Menschen sich selbst befreien können, selbst wenn sie nur wenige sind. Wenn das getan ist, kann auch ein kleines Wunder geschehen. Das große Wunder war, dass sich im alten Israel die Makkabäer erfolgreich gegen die Herrschaft der Griechen zu Wehr setzten, die sogar den Tempel von Jerusalem mit Statuen von Zeus entweiht hatten.

Die Makkabäer, nur eine Handvoll Leute, kämpften hartnäckig und organisiert. So schafften sie es, die Griechen mitsamt ihrer steinernen Autoritäten zu vertreiben und den Tempel wieder einzuweihen. Dafür brauchte es allerdings dieses spezielle, geweihte Öl für den Leuchter. Übrig geblieben war jedoch nur ein winziger Rest. Dennoch – und hier kommt das kleine Wunder – es reichte entgegen aller Logik dafür, dass der Leuchter acht Tage brennen konnte. Deshalb dauert Chanukka so lange.

Selbstbefreiung ist ein wunderbares Motiv für düstere Zeiten. Sie ist genauso wichtig wie Nächstenliebe. 

Hass und Lügen, Kälte und Unmenschlichkeit, Hohn und Bosheit sind in unseren politischen Alltag eingezogen. Überall stoßen wir auf rechtsextreme, antisemitische und rassistische Stimmungsmache. Gegen alles, was mühsam an Fortschritt erkämpft wurde. Die Rechte für Frauen, für sexuelle Vielfalt, für Einwanderer, Minderheiten aller Art sind ganz bestimmt noch längst nicht alle erfüllt. Aber es gibt sie. 

Doch selbst wenn es manchmal so scheint, als wäre alles düster und die entfesselten Populisten schöben ihre rückschrittlichen, steinernen Statuen auf die Stellen des hart erworbenen Fortschritts, muss das nicht unwidersprochen bleiben. 

Gewiss, es sind schwierige Zeiten, weltweit. Doch an Chanukka erinnern wir uns an die Makkabäer. Die haben es auch geschafft, den autoritären Götzen und ihren Verteidigern zu trotzen. So entstand wieder Platz für Nächstenliebe. 

In diesen Zeiten brauchen wir beides. Acht Tage, acht Lichter am Fenster. Hoffnung an Chanukka.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare