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Auslese

Historische Zäsur in Indien

  • VonDaniel Haufler
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Modis Sieg nährt die Sorge um die Religionsfreiheit.

In Indien sind die größten Wahlen der Welt weitgehend problemlos verlaufen. Und sie haben den erwarteten deutlichen Sieger: die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP); deren Spitzenkandidat, der umstrittene Narendra Modi, wird Premierminister. Analysten sehen   die größte historische Zäsur seit der Unabhängigkeit. Die Zeit der Gandhis ist vorerst vorüber.

Doch was heißt das nun genau? Auf den ersten Blick sei die Erholung der Wirtschaft das Wichtigste, nicht die Ideologie, glaubt „Le Monde“ aus Paris. Modi blicke auf das Beispiel China und träume davon, aus Indien ein Zentrum der Produktion zu machen, was es (noch) nicht sei. „Doch man darf sich keine Illusionen über seine Person machen. Modis Partei, die BJP wird zukünftig allein regieren. Rückgewandte Kräfte aus dem nationalistischen Hindu-Lager werden sich ausbreiten wollen. Scheitert die wirtschaftliche Strategie Modis, könnte die Ideologie wieder in den Vordergrund treten.“ Das würde die internationale Gemeinschaft ablehnen und wäre nicht im Sinn eines global ausgerichteten Indiens. Die Wirtschaft sieht auch der „Independent“ aus London als größte Herausforderung für die neue Regierung, zudem die Korruption, die das Land knebele. Wenn Modi „jedoch Vertrauen im In- und Ausland gewinnen will, muss er sehr viel mehr tun, um Ängste der Muslime zu beruhigen. Es wäre ein guter Start, an die Traditionen der Religionsfreiheit seines Landes anzuknüpfen. Ein Besuch in einer Moschee wäre der richtige Ort.“

Eine solche Geste ist allerdings von dem Hindu-Nationalisten kaum zu erwarten. Dagegen spricht schon seine Biografie. Zu Recht erinnert der Kommentator der „Neuen Zürcher Zeitung“, dass Modi im Verdacht steht, „vor gut zehn Jahren aus politischem Kalkül antimuslimische Pogrome zugelassen oder sogar geschürt zu haben. Extremistische Hindu-Organisationen unterstützen ihn; ob er sie im Griff hat oder sie ihn, ist umstritten. Sollten die religiösen Spannungen wieder zunehmen, wäre das für die indische Gesellschaft schlimm und auch für die Wirtschaft nicht gut. Im Übrigen breitet Modis Partei in ihrem Programm ‚futuristische Visionen‘ aus, aber vor allem verspricht sie die Fortsetzung der subventionsfreudigen, strukturkonservativen Landwirtschafts- und Industriepolitik. Der künftige Regierungschef selbst blieb bisher in seinen Aussagen vieldeutig.“

Es sei nicht zu erwarten, dass Modi sich zum moderaten Hindu-Nationalisten wandle, glaubt die „Stuttgarter Zeitung“, zumal seine Partei die absolute Mehrheit im Parlament besitze. „Der harte Kern der Sangh Parivar, wie das Sammelsurium hindunationalistischer Organisationen genannt wird, pocht bereits auf die Verwirklichung alter Forderungen wie auf ein einheitlich, hinduistisch geprägtes Zivilrecht.“ Die größte Demokratie der Welt sei in Gefahr.

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