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Kampf gegen den Hunger: Hinsehen und helfen

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Von: Steven Geyer

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Die Dorfbewohnerin Zawadi Msafiri steht auf einem verdorrten Maisfeld. Kenia, das Land am Horn von Afrika kämpft mit der dritten Dürre innerhalb eines Jahrzehnts. Etwa 90 Prozent des Landes und 4,3 Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - sind betroffen.
Die Dorfbewohnerin Zawadi Msafiri steht auf einem verdorrten Maisfeld. Kenia, das Land am Horn von Afrika kämpft mit der dritten Dürre innerhalb eines Jahrzehnts. Etwa 90 Prozent des Landes und 4,3 Millionen Menschen - ein Viertel der Bevölkerung - sind betroffen. © Dong Jianghui/dpa

Im Schatten des Krieges in der Ukraine bedroht in Ostafrika die schlimmste Dürre seit 40 Jahren die Existenz und das Leben von Millionen Menschen. Der Kommentar.

Vielleicht kann der Mensch nur ein gewisses Maß an Krisen aushalten, ehe er abschaltet oder abstumpft. Vielleicht ist unser Mitgefühl von Natur aus eine erschöpfliche Ressource. Wenn sie für Kriegsopfer in unserer Nachbarschaft gebraucht wird, reicht sie nicht mehr für Menschen, die weiter entfernt leiden.

Vielleicht fühlen wir uns denen, die aussehen und leben wie wir, auch einfach näher. Es mag also nachvollziehbar sein, dass wir angesichts der Horrorbilder aus dem Krieg in der Ukraine keinen Blick mehr haben für die Krisenherde außerhalb Europas.

Ausgerechnet jetzt zieht in einer ohnehin geschwächten Weltregion eine ebenso bestürzende Krise auf, die Hunderttausenden ihr Leben kosten kann: Im Schatten des Krieges in Europa bedroht in Ostafrika die schlimmste Dürre seit 40 Jahren die Existenz von Millionen Menschen.

Drei Regenzeiten sind am Horn von Afrika ausgeblieben, die UN sprechen von der schlimmsten Dürre seit 1981. In Teilen Somalias, Äthiopiens und Kenias sind mehr als 13 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht. Allein in Somalia brauchen fast fünf Millionen Kinder dringend humanitäre Hilfe.

Nicht ausgelöst, aber verschlimmert wurde die Lage durch ausbleibendes Getreide aus der Ukraine und steigende Lebensmittelpreise infolge des Kriegs. Mindestens 140 Millionen Dollar werden gebraucht, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, zugesagt sind bislang nur 57 Millionen.

Es ist klar, dass wir das eine Leid nicht mit dem anderen vergleichen oder gar aufrechnen können. Ebenso klar muss aber sein: Dass wir nun seit einem guten Monat nach Wegen suchen, die Menschen in der Ukraine zu unterstützen, entbindet uns nicht von unserer Verantwortung gegenüber anderen Weltregionen.

Diese Verantwortung erwächst nicht nur moralisch daraus, dass es uns im Wohlstand des Nordens auch nach einer Pandemie und trotz steigender Energie- und Rüstungskosten zu gut geht, um tatenlos zuzusehen, wie anderswo Hunderttausende verhungern. Vielmehr trugen und tragen wir mit unserem Lebensstil eine Mitschuld am Klimawandel, der solche Dürren verstärkt und vermehrt.

Vor allem aber muss es darum gehen, dass wir endlich vorausschauend agieren und auf Warnungen hören, ehe es zu spät ist. Noch können wir Ostafrika helfen, ehe die große Hungersnot ausbricht. Noch können wir eine weitere Verschärfung der Erderwärmung abwenden.

Und noch kann die westliche Welt sich darum kümmern, dass sie eine gerechte Verteilung des größten Reichtums hinbekommt, den die Menschheit je erwirtschaftet hat. In einer Welt, die die private Raumfahrt als Zeitvertreib und fast 3000 Milliardäre hervorgebracht hat, ist Geldmangel keine Ausrede für Tatenlosigkeit.

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