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Palästinenser protestieren nahe der Grenze zu Israel.

Israel

Hilfe statt Appelle

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Die Lage in Gaza ist prekär. Es muss etwas passieren, denn vom Elend der Bevölkerung profitieren nur die Extremisten. Der FR-Kommentar.

So wie es ist, kann es nicht bleiben. Die Lage im Elendsstreifen namens Gaza ist für die zwei Millionen palästinensischen Bewohner schon lange kaum noch auszuhalten. Seit einem Jahr haben sich die notorischen Mangelzustände dort derart verschärft, dass der Vergleich mit einer humanitären Katastrophe angebracht ist. Eine zudem, für die nicht die Natur, sondern die Politik verantwortlich ist. Nicht nur Israels Regierung, auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas haben ihren Anteil daran, dass in Gaza alles knapp ist. Sauberes Trinkwasser genauso wie die Stromversorgung. Es fehlt an bezahlter Arbeit und vor allem an Zukunftsperspektiven in diesem übervölkerten Küstenstreifen.

Nichts davon ist neu. In UN-Berichten wird schon länger gewarnt, dass Gaza im Jahr 2020 unbewohnbar zu werden droht, wenn sich nichts ändert. Die gewalttätigen Zusammenstöße vom Karfreitag, als 30 000 Palästinenser aus Gaza sich zum „Marsch der Rückkehr“ unweit der Grenzanlagen zu Israel versammelten, haben das Problem nur wieder in den internationalen Focus gerückt. Aufrufe an beide Seiten, sich zu mäßigen, helfen da nicht weiter. Konkrete Projekte wie der Bau eines Seehafens, funktionierende Klärwerke, womöglich die Installation von Solaranlagen zur Stromgewinnung wären ein echter Beitrag zur Deeskalation. Die rigide Blockade muss enden, damit die Menschen in Gaza nicht jede Hoffnung verlieren.

500 Demonstranten mit Schussverletzungen

Solche Abhilfe ist sogar dringlicher als die von Israel abgeschmetterte Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung jenes „schwarzen Freitag“, der für 18 Palästinenser tödlich endete. Kritische Nachfragen sind dennoch geboten, warum die israelische Armee hundert Scharfschützen einsetzte, um die Massenproteste in Schach zu halten, aber auf weiche Methoden, wie etwa Wasserwerfer, gänzlich verzichtete. Auch wenn Rädelsführer, ausgerüstet mit Steinschleudern und Molotowcocktails, aus der überwiegend friedlichen Menge vorpreschten, lässt sich damit noch nicht die blutige Bilanz von über 500 Demonstranten mit Schussverletzungen rechtfertigen. Überdies gehörten längst nicht alle Opfer militanten Organisationen an.

Die Hamas wird die „Märtyrer“ benutzen, um für die nächsten Freitagsproteste am Grenzzaun zu mobilisieren. Für sie ist schon ein Erfolg, auf diese Weise ein riesiges Truppenkontingent zu binden. Eines, das womöglich den Israelis im Norden des Landes, hin zum Libanon und zu Syrien, fehlen wird, wo ebenfalls täglich mit bösen Überraschungen zu rechnen ist. Entsprechend nervös ist Israels Generalstab. Gegen Raketen aus Gaza feit der Abwehrschirm „Eisendom“. Gegen die Angriffstunnel baut die Armee derzeit einen unterirdischen Wall. Aber gegen einen Ansturm verzweifelter Massen gibt es kein Patentrezept. Noch ein Grund mehr, den Palästinensern in Gaza endlich ein menschenwürdiges Leben zu erlauben.

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