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Heilsame Wut

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US-Demokrat Bernie Sanders möchte Amerika reformieren.

Seine Reden schreibe er selbst, erklärt Bernie Sanders und fügt als Beleg gleich ein Foto hinzu, das sein heftig durchgearbeitetes Manuskript zeigt. Der 1941 in Brooklyn geborene Bernie Sanders hatte im vergangenen Jahr beim Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur gegen Hillary Clinton verloren. Aber er hat die Erfahrung gemacht, dass auch ein Sieg möglich gewesen wäre.

Sanders hat womöglich auch dieses Buch selbst geschrieben. Es liest sich hervorragend. Nicht so großartig wie Obamas Autobiografie, aber doch auch sehr interessant. Sanders Agenda ist eine andere, radikalere. In Deutschland wäre er in den meisten Fragen ein Sozialdemokrat der linken Mitte. In den USA beschimpft man ihn als Sozialisten. Ein Etikett, das er sich stolz wie einen Orden an die Brust heftet. Man erfährt, wie er im Brooklyn der 40er und 50er Jahre aufwächst, von seinem Werdegang, von seiner Familie.

Vor allem aber spricht Sanders von dem, was getan werden muss, nicht um Amerika groß zu machen, sondern um die um sich greifende Verarmung zu stoppen. „Eine große Nation wird nicht danach beurteilt, wie viele Millionäre und Milliardäre sie hat oder wie hoch ihre Militärausgaben sind. Sie wird nicht nach der Habgier ihrer Großkonzerne beurteilt. Sie wird danach beurteilt, wie sie mit ihren schwächsten und bedürftigsten Bürgern umgeht. Eine wahrhaft große Nation zeichnet sich durch Mitgefühl und Solidarität aus.“ Die Kapitel tragen Überschriften wie: „Die Überwindung der Oligarchie“, „Gesundheitsversorgung für alle“, „Höhere Bildung bezahlbar machen“, „Einwanderungsreform jetzt!“ Sanders fordert auch die Abschaffung der Todesstrafe, ein Frackingverbot und eine Drogenreform.

Sanders bringt auch Zahlen: 1,4 Millionen obdachlose Kinder wechseln von einer Schule auf die nächste, während ihre Eltern auf der Suche nach einer Bleibe sind; die Bank of America gründete 2010 über 200 Tochtergesellschaften auf den Cayman Islands. Sie zahlte in diesem Jahr nicht nur keine Bundeseinkommenssteuern, sondern erhielt sogar noch eine Steuererstattung von 1,9 Milliarden Dollar.

Offenbar fand die Bank, das US-Finanzamt zu betrügen, sei der angemessene Weg, um sich beim Steuerzahler für die über 1,3 Billionen Dollar zu bedanken, die sie in Form des Rettungspakets und von der Federal Reserve erhalten hatte. Sanders ist wütend. Zu Recht.

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