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Obdachloser in Berlin.
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Obdachloser in Berlin.

Obdachlosigkeit

Hauptstadt der Herzen

  • VonAndré Mielke
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Die Debatte über Obdachlose in Berlin gebiert so manch gute Idee. Doch über einige muss man ausführlich sprechen. Die Kolumne.

Berlin wird Hauptstadt der Herzen. Das schrieb die Zeitung „Der Tagesspiegel“. Da ging es um eine Konferenz zur Obdachlosigkeit, mit Vertretern von Landesregierung, Bezirken und Hilfsorganisationen. Man habe sich, zitierte das Blatt die örtliche Caritas-Chefin, darauf geeinigt, jedem Berliner Obdachlosen, unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus, eine feste Unterkunft zu geben, „nach Möglichkeit natürlich eine klassische Wohnung“.

Ob dieser Verheißung herrschte ein rotwangiges Hochgefühl, und als eine Wohlfahrtsfunktionärin dem Reporter sagen sollte, „was passiere, wenn diese umfassende Hilfe einen Sog von Menschen in Not nach Berlin auslösen sollte“, hatte sie keine klare Antwort.

Wir schaffen das

Schade. Mich hätte das auch interessiert. Wenn du auf einer Ingenieurstagung verkündest, du würdest demnächst nach Möglichkeit ein Perpetuum mobile bauen, dann wollen die Kollegen wissen, wie das funktionieren soll. Für Techniker ist das die Frage aller Fragen. Wenn es nicht klappt, kommt so etwas wie ein VW-Diesel dabei heraus.

Doch wenn jemand Fluchtursachen – Krieg, Armut, Überbevölkerung – beseitigen und nebenbei die damit Beladenen in Berlin mit Wohnraum versorgen will, dann bedarf das keiner weiteren Erklärung. Wir schaffen das. Nichts ist unmöglich, wenn man es nur gut genug meint. Das liegt womöglich an einer Renaissance des Glaubens oder einer gewissen Entfremdung von der Wertschöpfungskette.

Man könnte jetzt abwinken: Was soll’s. Ist eben Berlin. Da bleibt es sowieso Gerede und Größenwahn. Bereits jetzt grassiert in der Stadt die Wohnungsnot. Es wurde zu wenig gebaut, und wenn, dann kaum für jene, die Politikern die Büros putzen. Außerdem ist Kapitalismus. Mangel hebt Renditen.

Ilussionen werden geweckt

Die Notunterkünfte sind voll. Es sind schon reichlich Arme da, für die der Staat sich besonders zuständig fühlen müsste, weil sie seine Bürger oder zumindest legal im Land sind. Es gibt aber noch freie Parks und U-Bahnhöfe. Wenn man es nicht für die eigenen Leute gebacken kriegt, dann bestimmt wenigstens für die ganze Welt.

Viele Obdachlose kommen aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU). Laut Freizügigkeitsgesetz dürfen sie versuchen, in Deutschland ein Auskommen zu finden. Falls ihnen das nach ein paar Monaten nicht gelungen ist, müssen sie wieder gehen. Beziehungsweise müssten. Migrationsregelungen haben nur noch empfehlenden Charakter.

Ich schreibe aus der Deckung einer beheizten Wohnung. Ich klinge kalt und herzlos. Aber auf keinen Fall bin ich zynischer als jene selig Entgrenzten, die in aller Herren Länder Illusionen wecken und somit im hiesigen Sozialsouterrain den Existenzkampf befeuern, um dann mit großer Geste die Verwundeten zu versorgen.

Die Stadt würde nun gern von den Herkunftsstaaten ihrer EU-Obdachlosen für den Unterbringungsaufwand entschädigt werden. Auch das wurde auf besagter Konferenz ventiliert. Die Versorgung Bedürftiger ist in Deutschland teurer als etwa in Bulgarien. Wieso sollte die Regierung in Sofia das Geld, das sie für ihre Bürgerinnen und Bürger daheim nicht hat oder ausgeben möchte, hierherschicken? Wie soll das funktionieren? Wer lässt sich so etwas einfallen? – Tollkühne Seefahrer: Wenn ihr Schiff leckt, bleiben sie cool. Irgendwann muss der Ozean ja leer sein.

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