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Höhlenforschung

Vom Hang zur Tiefe

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Was die Höhlenforschung über den Menschen verrät.

Die spektakuläre Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser hat auch das Verhältnis der Deutschen zur Tiefe ausgelotet. „Warum steigt einer überhaupt so tief hinab in ein finsteres, enges Loch?“ fragt Stefan Kuzmany auf Spiegel-online und gibt sich die Antwort nach einigem Kopfschütteln gleich selbst. „Johann Westhauser ist kein Tourist, keiner, der aus purem Leichtsinn in den Schacht gekraxelt ist ... Als Westhauser in die Riesending-Schachthöhle stieg, war er im Auftrag der Menschheit unterwegs.“ Ach so.

Alfons Kaiser von der „FAZ“ überzeugt der Gedanke nicht und grübelt über das Wesen des Menschen und sein Verhältnis zur Tiefe. Der Mensch „ist ganz sicher nicht dazu bestimmt, sich in 1000 Metern Tiefe durch schmale, verwinkelte, feuchte und rutschige Gänge zu quetschen und von Steinen erschlagen zu lassen. Geburtskanal-Erfahrungen gibt es im Spaßbad mit Tunnelrutsche reichlich. Der Unterschied zu den mörderischen Tiefen: Dort unten gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern im Fall des Unglücksfalles gleich auch noch mögliche Retter. (…)

Der Hang zur Tiefe rührt natürlich schon daher, dass sich hier der Normalsterbliche zum Speläologen promoviert fühlen darf, weil er als eine Art Hilfswissenschaftler Nachrichten von Wasserläufen an Hydrologen und von Gesteinsformationen an Geologen weiterreichen darf. Da wächst also in der Tiefe ein ganz neues akademisches Proletariat heran. Aber die Sehnsucht, die nach unten geht, kann man nicht nur mit dem Forscherdrang des Menschen erklären, der als erster Neuland betritt wie einst David Livingstone am Sambesi. Man will tief auch in sich selbst eindringen, also in die Menschheits- und die eigene Geschichte. Die Erzählungen von Drachen und anderen Untieren, die aus den Tiefen kommen, ist ein Widerschein des existenziellen Angstreizes, der aus der Tiefe kommt.“

Mehr unten war also nie. Arno Frank bleibt in der „taz“ aber betont skeptisch, auch wenn er Gefallen an dem Spektakel gefunden hat. „Doch das Schauspiel war es wert. Teilweise waren bis zu 70 Hebammen mit Steigeisen bereit, zum Zwecke der Wiedergeburtshilfe sich in das Sommerloch mit seinen steil abfallenden Felskaminen, aberwitzigen Hindurchzwängpassagen und schlammigen Bachläufen zu wagen. Feucht und eng und tief und im Grunde unergründlich war das Sommerloch, ein Fest also für Speläologen wie Psychoanalytiker. Nun soll der Eingang zum Riesending für alle Zeiten verschlossen werden, wie die McDouglas-Höhle in ‚Die Abenteuer des Tom Sawyer‘.

Schade. Man sollte sie wenigstens im Sommer für ein paar Tage öffnen. Damit ‚Nachahmer‘ eine Chance auf eigene Erkundungen haben. Der Gerettete? Wird bald bei Jauch von seinem parapränatalen und quasiuteralen Überlebenskampf berichten. Und dann, hoffentlich, auf Lesereise gehen. Mit den ‚Riesending-Monologen‘“, so Frank in der „taz“.

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