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Wenn wir weitermachen wie bisher, könnten in den nächsten zehn Jahren eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben.

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Handeln ist Gold

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Wir müssen den Klimaretter Natur schützen. Sonst sterben in den nächsten zehn Jahren eine Million Tier- und Pflanzenarten aus.

Natur ist nicht nur überlebenswichtig für uns Menschen, sondern wir erfreuen uns auch an ihrer Schönheit und Vielfalt: Ein Baum, ein zwitschernder Vogel, der Blick in atemberaubende Landschaften oder Schwimmen im glasklaren Meer – jeder hat seine Faszination oder seinen eigenen Sehnsuchtsort in der Natur.

Die Auswirkung der Erderhitzung hat weltweit an vielen Orten zu erheblichem Naturverlust geführt, auch wenn er für viele noch nicht erlebbar erscheint. Doch die Brände in Australien haben uns den Zusammenhang von Klimakrise und Naturzerstörung drastisch vor Augen geführt.

Begünstigt werden die Brände durch extreme Trockenheit, die auf die Klimakrise zurückzuführen ist. Wenn Wälder brennen, wird wiederum eine große Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt und die Erderhitzung weiter befeuert. Viele Tierarten verlieren ihren Lebensraum. Es wächst die Sorge um bereits vom Aussterben bedrohte Tierarten wie den Koala.

Auch vor unserer Haustür schwinden Tier- und Pflanzenarten. Immer weniger Vögel zwitschern in unseren Gärten und auf unseren Feldern, die Zahl der Insekten nimmt stetig ab. Weltweit erleben wir das größte Artensterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier. Das hängt eng mit der Erderhitzung zusammen, Klimakrise und Artensterben beschleunigen sich gegenseitig.

Wir g wissen auch: Schützen wir die Natur, schützen wir damit unser Klima. Wenn wir zum Beispiel unsere Wälder aufforsten und unsere Moore wieder vernässen, binden wir damit auch CO2. Noch können wir die Natur schützen. Aber wir müssen handeln: jetzt! Unsere Lebensgrundlagen können wir nur zusammen schützen. Gefragt sind Politik, Unternehmen und jeder Einzelne.

Der UN-Biodiversitätsrat warnt: Wenn wir weitermachen wie bisher, könnten in den nächsten zehn Jahren eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben. Naturschutz ist der erste Schritt gegen Artensterben und Klimakrise. Mangroven, also Wälder zwischen Meer und Land, sind beispielsweise echte Allrounder: sie sind Lebensraum für Fische und Krebse, schützen die Bevölkerung vor Flutwellen sowie Überschwemmungen und speichern große Mengen CO2.

Intakte Ökosysteme wie Mangroven, aber auch heimische Auenwiesen und Wälder schützen demnach die Lebensgrundlage von Menschen, bieten Lebensraum für Tiere und sind Klimaretter dazu. Um diese Natur und damit Mensch und Klima zu schützen, ist jetzt entschiedenes Handeln der Bundesregierung gefragt.

Deren 2008 verabschiedete Nationale Strategie für biologische Vielfalt läuft dieses Jahr mit ernüchterndem Ergebnis aus. Viele der 330 selbstgesteckten Ziele werden nicht erreicht. So sollten bis 2020 zwei Prozent Deutschlands als Wildnisgebiete geschützt sein, erreicht werden 0,6 Prozent. Ein Problem sind dabei die Ressorts der Bundesregierung, die sich wie beim Thema Insektenschutz und Ackerbaustrategie gegenseitig ausbremsen. Jetzt ist es an der Zeit Grabenkämpfe beizulegen und die Natur ressortübergreifend zu schützen.

Dazu braucht es vor allem eine ambitionierte Strategie für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Der Blick nach Brüssel zeigt, auch die EU verfehlt ihre Ziele zum Artenschutz. Um den Biodiversitätsverlust aufzuhalten, setzt sich der WWF dafür ein, dass sich die EU-Staaten verpflichten 30 Prozent ihrer Gebiete unter Schutz zu stellen und weitere 30 Prozent der zerstörten Natur wieder in einen gesunden Zustand bringen.

Eberhard Brandes ist Geschäftsführender Vorstand bei WWF Deutschland.

Artenschwund betrifft auch die Wirtschaft. Der Weltwirtschaftsrat warnt: Die fünf größten Risiken für die Weltwirtschaft sind Umweltrisiken. Um die Natur und damit auch die Wirtschaft zu schützen, sind auch Unternehmen gefragt. Glaubhafter Einsatz für den Erhalt der biologischen Vielfalt bedeutet für sie vor allem Verantwortung zu übernehmen und Nachhaltigkeitsziele stringent ins Kerngeschäft zu etablieren. Unternehmerische Verantwortung muss für alle Bereiche eines Unternehmens gelten.

Zusätzlich zu Politik und Wirtschaft braucht es auch jeden Einzelnen. Ob auf der Straße bei Demonstrationen wie Fridays For Future, ein Anruf beim Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis oder bewusst nachhaltiger Konsum – wir haben es selbst in der Hand die Natur zu schützen und dies von der Politik und Wirtschaft zu fordern.

Nur wenn Politik, Wirtschaft und Bürger aktiv werden, können wir das Artensterben stoppen und die Erderhitzung aufhalten. Denn Natur ist mehr als unsere Lebensgrundlage, die uns mit Trinkwasser, Lebensmitteln und sauberer Luft versorgt. Wenn wir einmal draußen sind, um zu entspannen, Sport zu treiben oder einfach nur zu beobachten, spüren wir: Wir sind ein Teil von ihr.

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