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"American Sniper" wird für sechs Oscars nominiert.
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"American Sniper" wird für sechs Oscars nominiert.

Auslese

Mit der Haltung eines Islamisten

  • VonDaniel Haufler
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Der Film „American Sniper“ über den zielsichersten US-Scharfschützen im Irak-Krieg spielt in den ersten zehn Tagen schon 200 Millionen Dollar in Amerika ein - und löst erregte Debatten aus. Kritische Linke verurteilen den Film, Konservative verteidigen ihn.

Die Worte könnten unterschiedlicher nicht sein. „Schießwütig“ heißt im Deutschen ein Mensch, der in der Gegend herumballert und bisweilen dabei tötet. Im Amerikanischen nennt man so jemand „trigger happy“, was so viel heißt wie: Er hat Spaß beim Abfeuern einer Waffe. Und diesen Spaß wollen sich viele US-Amerikaner auf keinen Fall nehmen lassen. Deshalb verhindern sie immer wieder, selbst nach schlimmsten Amokläufen in ihrem Land, dass die Waffengesetze verschärft werden.

Es kann also nicht verwundern, dass derzeit ein Film über den zielsichersten US-Scharfschützen im Irak-Krieg in den ersten zehn Tagen schon 200 Millionen Dollar in Amerika eingespielt hat und zudem für sechs Oscars nominiert ist. Clint Eastwood hat „American Sniper“ als großes Epos inszeniert, in dem die US-Soldaten einem hässlichen und hinterhältigen Feind trotzen. Ihr Heldentum feiert er in dynamischen Bildsequenzen, ihr Leid in brutaler Direktheit. Im Zentrum der Geschichte steht jedoch unzweifelhaft: das Töten. „Ich bin bereit, meinem Schöpfer gegenüberzutreten und jeden Schuss zu begründen, den ich abgegeben habe“, sagt der Edelscharfschütze im Film. Das Warum dieses völkerrechtswidrigen Krieges stellt er so wenig infrage wie Regisseur Eastwood. Nicht zuletzt deswegen hat „American Sniper“ eine erregte Debatte in den USA ausgelöst, die nach dem hinlänglich vertrauten Schema abläuft. Auf der einen Seite verurteilen ein paar kritische Linke wie Michael Moore den Film, auf der anderen Seite verteidigten ihn Konservative wie Sarah Palin. Vize-Präsident Joe Biden schließlich war einfach nur zu Tränen gerührt.

Gary Younge, ein bekannter US-Journalist, berichtet im „Guardian“, dass die Kinobesucher jubelten, als der US-Held einen irakischen Scharfschützen mit einem Schuss über fast zwei Kilometer tötet. Mit Blick auf die Attentate in Paris meint Younge: „Innerhalb weniger Wochen hat sich also die westliche Welt vereint, um ihre Kultur und ihre Werte zu verteidigen – und bringt einen populären Leinwandhelden hervor, der sich nicht über den Islam lustig macht, sondern Muslime umbringt. Drohungen gegenüber Arabern oder muslimischen Amerikanern haben sich verdreifacht, seit der Film läuft. (...) Es ist nicht schwer zu verstehen, warum das so ist. ‚Wenn Du einen Mann siehst, der zwischen 16 und 65 Jahre alt ist, erschieß ihn‘, steht in dem Buch des Scharfschützen Chris Kyle, das die Vorlage zum Film liefert, um sein Verständnis von den Regeln des Kriegs im Irak zu beschreiben.“

Diese Haltung spiegelt der Film ungebrochen. Die Werte Chris Kyles sind nicht von der Aufklärung geprägt, sondern seinem Buch zufolge von „Gott, Vaterland, Familie“. Für Younge macht ihn das zu einem Dschihadisten in Uniform, den kaum etwas von seinem Erzfeind Mustafa unterscheidet.

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