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Viel Mut zum Miteinander zeigen die Teilnehmer der Pulse-of-Europe-Demonstrationen, wie hier in Frankfurt.

Pulse of Europe

Gut, dass es sie gibt

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Die Bewegung der Pro-Europäer mag zu bürgerlich-akademisch sein. Aber sie kontert die Angst-Politik der Populisten mit viel Mut zum Miteinander. Ein Kommentar.

Soziale Bewegungen stehen in Deutschland im Ruf, nur auf Protest aus zu sein. Sie richten sich grimmig gegen etwas, der Ton ist harsch, nicht selten liegt Gewalt nah. Humorlosigkeit ist Pflicht. So gesehen ist der Pulse of Europe wirklich unerhört.

Kritik an ihm ist durchaus legitim. Die Bewegung ist zu bürgerlich-akademisch, um die Hinwendung der sozial Schwachen zum Nationalen zu erfassen: Ein Maurerlehrling geht eben nicht mit Erasmus nach Oxford, sondern schielt misstrauisch zu Billiglöhnern aus Sofia oder Bukarest. Die Probleme der EU sind ja auch sehr konkret: Wie umgehen mit den anhaltenden ökonomischen Ungleichgewichten? Wie Flüchtlinge gerecht verteilen, wenn viele EU-Staaten sich abschotten? Wie überhaupt die EU-Krise lösen: durch mehr oder weniger Integration? Der Pulse of Europe hat darauf keine Antwort. Er will keine haben.

Dennoch ist es gut, dass die Bewegung existiert. Es würde reichen, wäre sie „nur“ die Anti-AfD. Die AfD macht mit Angst Politik. Pulse kontert mit der Lust am Miteinander. Das ist enorm politisch. Vielleicht wird das reichen, vielleicht muss der Pulse nicht zu einer Institution oder Partei mutieren. Die Definition, was und wie eine soziale Bewegung zu sein habe, orientiert sich immer noch zu stark an 1968ff. Es wäre an der Zeit, von dieser allzu engen Vorstellung endlich zu lassen.

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