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Halloween - ein Fest nicht nur für Kinder.

Kolumne

Die Grusel-Hauptstadt

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Halloween ist spitze für Berlin. Ideen für Kostüme liefert die Stadt Tag für Tag - warum nicht mal als Wanderbaustelle oder Lehrermangel um die Häuser ziehen?

Halloween steht vor der Tür und damit meiner Meinung nach das beste Fest für diese Stadt. Seit sich Halloweenbräuche aus den USA in den Neunzigerjahren in Deutschland verbreitet haben, wurden sie ja gerne als sicheres Anzeichen für den Untergang des europäischen Abendlandes hingestellt. Da es uns aber heute immer noch gibt, können wir jetzt vielleicht doch ein bisschen entspannter an die Sache rangehen.

Allerheiligen ist in Berlin leider kein Feiertag, natürlich nicht. Feiertage sind in Berlin ja ohnehin mehr so ein urbaner Mythos. Wir haben im Gegensatz zum Rest der Republik quasi nur an Weihnachten frei und auch nur dann, wenn es auf ein Wochenende fällt. Trotzdem ist Halloween mittlerweile ein verbreiteter Spaß für Kinder, die Lust auf Süßigkeiten und Vandalismus haben. Also alle. Abends ziehen kleine Gespenster, Vampire und Hexen um die Häuser, und wem das nicht ans Herz geht, der hat doch keins. 

Ich finde aber auch, dass Halloween ein großartiges Fest für Erwachsene ist, vor allem, wenn man es mit den herkömmlichen Feiertagen vergleicht. Das einzig Gute an Weihnachten in Berlin sind doch die vielen freien Parkplätze, wenn wir ehrlich sind. Ansonsten müssen wir überfüllte Geschäfte, Konsumstress, Familienstreitigkeiten und Würstchen mit Kartoffelsalat ertragen. Silvester ist noch schlimmer. Ich bin mittlerweile so weit, jede Partei zu wählen, die ein striktes Böllerverbot in der Stadt durchsetzen möchte. Und es hat auch seinen Grund, weshalb wir an anderen Tagen nie Fondue essen. 

Ostern verbindet die Nachteile von Weihnachten mit denen vom 1. Mai: Überall sind die Hotels überteuert und dann gibt es noch nicht einmal Geschenke. Jedenfalls, wenn man volljährig ist. Außerdem ist Ostern viel zu christlich für Berlin, wo weit mehr als die Hälfte der Einwohner konfessionslos ist. Weihnachten geht da schon eher. Das ist mittlerweile so kommerziell, dass es schon ausreicht, wenn man an die Zuverlässigkeit der DHL-Sendungsverfolgung glaubt.

Halloween ist dagegen eine gute Gelegenheit, um endlich mal seine Nachbarn kennenzulernen und auch der Geschenkestress bleibt überschaubar. Ein paar Tüten Süßigkeiten kaufen reicht da schon aus. Kein Familienmitglied wartet mit Kaffee und Kuchen auf unseren Besuch, und wenn wir nur Zierkürbisse als Deko nehmen, kommen wir sogar um die obligatorische Kürbissuppe herum. 

Weil Halloween als Fest bei uns importiert wurde, ist es für fast alle Kulturen und Glaubensrichtungen in Berlin gleichermaßen etwas ziemlich Neues und damit nicht exklusiv. Mit dem November bricht auch langsam der Berliner Winter herein, der Gruselfaktor der Stadt ist also für jeden ohnehin sehr hoch.

Für mich aber das beste Argument: Dank Halloween können wir Verkleidungspartys feiern, ohne uns an den westdeutschen Karneval ranzuwanzen. Da kann das Kreativpotenzial der Stadt mal richtig ausgelebt werden, und es müssen dafür nicht einmal Häuserwände besprüht werden.

Gruselige Halloweenkostüme für Berliner wären etwa Fahrkartenkontrolleur, Wanderbaustelle,Lehrermangel oder Bürgeramt Mitte. Weil zu Halloween die Kostüme für Frauen bekanntermaßen immer sexy sein müssen, würde sich für Berlinerinnen also dementsprechend sexy Fahrkartenkontrolleurin, sexy Wanderbaustelle, sexy Lehrermangel und sexy Bürgeramt Mitte eignen. Ich wünsche viel Vergnügen!

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