Kolumne

Große Sprüche und kleine Schritte

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Eine Plakette auf dem Mond gibt Rätsel auf. Frieden und Hilfe von draußen wird sie uns nicht bringen.

Den großen, knappen Satz, den Astronaut Neil Armstrong vor genau 50 Jahren verkündete, als er auf dem Treppchen vor der Apollokapsel zum Mondboden stand, hat dort oben niemand gehört. Auf der Erde allerdings löste er große Reaktionen aus und wird in diesen Tagen besonders häufig zitiert. Zwar ist noch immer umstritten, wer ihn erfunden hat, aber es gilt inzwischen wenigstens als gesichert, wie er lautete (oder lauten sollte).

In Edelstahl blieb dagegen die Botschaft zurück, man sei für alle Menschen in Frieden gekommen. Unterschrieben ist die Plakette von den drei Astronauten, die tatsächlich da waren, und dem US- Präsidenten Nixon, der jedoch, soweit bekannt, gar nicht gekommen war. Schon gar nicht in Frieden und auch nicht für die ganze Menschheit.

Denn fast 400 000 Kilometer entfernt von der verheißungsvollen Plakette tobte in Vietnam gerade der Krieg mit voller Grausamkeit. Immerhin beschloss Nixon just im gleichen Monat, dass sich seine Soldaten allmählich aus Vietnam zurückziehen sollten. Nicht etwa, damit endlich Frieden herrsche. Die Vietnamesen sollten den Krieg nun unter sich ausmachen.

Hierzulande begann zeitgleich ganz vorsichtig Naturschutz zum öffentlichen Thema zu werden. Es war höchste Zeit, nachdem der vom Wirtschaftswunderdenken geprägte Wachstumswahn mit Flurbereinigung, Pestizideinsatz, Massentierhaltung, Überdüngung und Bauboom Schäden an Natur und Umwelt angerichtet hatte, die teilweise bis heute fortwirken.

Immerhin wurde im Jahr des ersten Menschen auf dem Mond die Zuständigkeit für den technischen Umweltschutz im Innenministerium angesiedelt. Und es gab Briefmarken mit dem Aufruf „Schützt die Natur“ zu 10, 20, 30 und 50 Pfennig.

Dies waren keine wirklich großen Schritte für die Deutschen, geschweige denn für die Menschheit, aber immerhin kam in den Jahren ab 1969 endlich die notwendige Bewegung in den Natur- und Umweltschutz. Bald danach leiteten die Anti-Atomkraftbewegung und Gesetze wie das DDT-Verbot gesellschaftliche und ökologische Veränderungen ein, es begann das Umdenken.

Der Wettlauf der beiden Supermächte um die Vorherrschaft auf dem Mond verlor dagegen an Schwung. Dem ewig romantischen Ideal des Mondes tat das keinen Abbruch, aber der Spruch vom großen Schritt für die Menschheit hatte vielleicht doch zu große Hoffnungen geweckt, denn zu holen gab es dort oben nur Steine und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Heute wären große Schritte für die gesamte Menschheit dringender als je zuvor, da es um die Bekämpfung von Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Hunger und Armut geht. Und natürlich um den Frieden, den die auf dem Mond zurückgelassene Plakette proklamiert.

Für wen man sie eigentlich zurückgelassen hat, kann man nur raten. Sicher nicht für spätere Astronauten, denn die wissen sowieso, wie es um die Erde und den Frieden unter den Menschen bestellt ist. Und wer vor ihnen da war.

Richtet sich die Plakette also an (möglichst anglophone) Außerirdische? Von denen ist kaum zu erwarten, dass sie die Botschaft glauben. Sie müssen ja nur mal einen kurzen Blick auf den blauen Planeten werfen.

Hilfe von dort draußen ist nicht zu erwarten. Wir müssen unsere Probleme schon selbst lösen. Das sollte machbar sein, denn wir haben sie ja auch selbst geschaffen.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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