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Als wär nichts gewesen: Party an der „Bierstraße“ auf Mallorca, fotografiert am 10. Juli 2020.
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Als wär nichts gewesen: Party an der „Bierstraße“ auf Mallorca, fotografiert am 10. Juli 2020.

Kommentar

Die grölenden Massen von Mallorca: Dummheit im Gepäck

  • Marina Kormbaki
    VonMarina Kormbaki
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Die Bilder von der Ferieninsel sind aus mehreren Gründen erschreckend: Erstens tun die Feiernden, als wüssten sie von nichts. Zweitens gefährden sie ihre Gastgeber. Der Kommentar.

Schon vor Corona waren Bilder von feierwütigen Touristen auf Mallorca nicht immer schön anzusehen. In Zeiten einer Pandemie aber, die weltweit mehr als eine halbe Million Todesopfer gefordert hat und Volkswirtschaften ins Verderben stürzt, gehen solche Szenen wie am Wochenende auf der Baleareninsel gar nicht. Dicht an dicht stehen meist junge Männer grölend beieinander, als habe es das Virus nie gegeben. Damit dürften sich all jene bestätigt sehen, die in der Wiederaufnahme des innereuropäischen Tourismus eine leichtsinnige, gefährliche Übertragung der Verantwortung von der Politik an die Bürgerinnen und Bürger sehen.

Ärgerlich ist das Verhalten der deutschen und britischen Urlauber aus mindestens zwei Gründen. Erstens, weil sie sich vorsätzlich dumm stellen. Man muss das vergangene halbe Jahr schon weit, weit weg vom Planeten Erde zugebracht haben, um nichts mitbekommen zu haben von der tückischen Ausbreitung des Corona-Virus – Stichwort: Aerosole. Und zweitens rufen die Aufnahmen Empörung hervor, weil sie vom arroganten Egoismus einiger zeugen, die sich Urlaub trotz Krise leisten können. Sie missachten die extremen Einschränkungen, die ihre Gastgeber, die Spanier, über Monate erduldeten, um den heftigen Corona-Ausbruch im Land einzudämmen. Dieser Erfolg wird nun aufs Spiel gesetzt von Touristen. Nur so, aus Spaß.

Fahrlässigkeit ist aber auch der örtlichen Verwaltung und der Polizei vorzuwerfen. Sie achten nicht allzu streng auf die Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln. Sie schauen weg, wohl auch auf Druck der Tourismusbranche. So aber droht das einzutreten, wovor Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnt: dass der Ballermann zu einem zweiten Ischgl wird.

Gewiss geht nicht nur vom Tourismus auf Mallorca das Risiko hochschnellender Infektionszahlen aus. Es besteht überall dort, wo Menschen kommen und gehen und in der Zeit dazwischen sorgenfrei und ausgelassen leben wollen. Kurzum: wo Urlaubsstimmung herrscht. Die Bilder aus Mallorca, aber auch solche von der deutschen Küste bei gutem Wetter führen vor Augen, dass Urlaubsroutinen mitunter schwer in Einklang zu bringen sind mit den Verhaltensanforderungen in einer Pandemie. Abstand halten ist das Gebot dieser Zeit. Aber nichts liegt dem Massentourismus ferner.

Allmählich reift die Erkenntnis heran, dass der allseits ersehnte Urlaub trotz Corona mehr Illusion als Wirklichkeit ist. Jedenfalls dann, wenn Urlaub gleichgesetzt wird mit: „Einfach mal abschalten“. Fürs Erste gibt es keinen Urlaub von Corona. Es gibt nur Urlaub mit Corona.

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