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Anklägerin, Radikale, Wütende – all das, was Greta Thunberg aus Sicht ihrer Kritiker nicht sein darf, muss sie sein, um mit ihrer Botschaft durchzudringen.

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Greta Thunberg: Ein wahnsinnig mutiges Mädchen, das die Welt aufrüttelt

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Aktivistinnen wie Greta Thunberg haben alles Recht der Welt, ihre Wut hinauszuschreien. Es ist an den Macrons, aus der Schmollecke zu kommen und endlich aktiv zu werden, statt sich in den Chor der Diffamierer einzureihen. Der Kommentar.

Was ist nicht alles über Greta Thunberg geschrieben, was ihr nicht alles zugeschrieben worden. Auch nach ihrer mitreißenden Wutrede beim UN-Klimagipfel lieferten sich die Heldinverehrer weltweit Bewertungsscharmützel mit jenen, die die junge Frau als von Hass getriebene Radikale diffamierten, die entweder ihrem - zugegebenermaßen - hehren Ziel einen Bärendienst erweise oder schlichtweg maßlos übertreibe. „Rettet sie noch das Klima oder vergiftet sie es schon?“, fragte süffisant das Magazin „Cicero“.

Sie sei „sehr radikal“, beschwerte sich auch der französische Präsident Macron, der sich in New York den Ritterschlag zum Klimavorreiter von der Schwedin erhoffte und stattdessen von den Fridays for future eine Klage erhielt. Die Klimaverfehlungen Frankreichs, Türkei, Brasilien, Deutschland und Argentinien seien ein Verstoß gegen die Kinderrechte, so die Kläger um Thunberg.

Greta Thunberg muss alles sein: Anklägerin, Radikale, Wütende

Anklägerin, Radikale, Wütende – all das, was Greta Thunberg aus Sicht ihrer Kritiker nicht sein darf, muss sie sein, um mit ihrer Botschaft durchzudringen. Das haben die Mächtigen dieser Welt, die Macrons und Merkels, die Konzerne und Lobbyisten sie und ihre Generation mit Jahrzehnten des Nichtstuns gelehrt. Ihre Bedingungslosigkeit hat sie von Stockholm nach New York gebracht, nicht Diplomatie oder fromme Reden, von denen sich niemand auf den Schlips getreten fühlt.

Greta Thunberg ist weder Milliardärin noch Regierungschefin, sie hat keine Macht, selbst die Welt zu retten. Aktivistinnen wie sie können nur größtmöglichen Druck auf alle jene ausüben, die die Machtmittel dazu besitzen. Sie haben alles Recht dazu, ihre Wut, die sich aus der Verzweiflung der Machtlosigkeit speist, hinauszuschreien. Das dass für alle Zuhörer nicht bequem ist, liegt in der Natur der Sache. Vor diesem Hintergrund scheint der Vorwurf der Radikalisierung der Fridays vor Future wie eine billige Ausrede all jener, die weiter alle Warnzeichen ignorieren wollen.

Je knapper die knappe Zeit zur Rettung der Erde wird, desto lauter muss zwangsläufig der Wutschrei Thunbergs und ihrer Anhänger ertönen. Es ist an den Macrons, aus der Schmollecke zu kommen und endlich aktiv zu werden, statt sich in den Chor der Diffamierer einzureihen und so die Radikalisierungsspirale weiter anzuheizen.

Ansonsten tut es an einem Tag wie diesem Not, innezuhalten und sich darauf zu besinnen, was Greta tatsächlich ist – bei allen Rollen, die ihr von Gegnern wie Anhängern zugeschrieben werden: Ein wahnsinnig mutiges Mädchen, das die Welt aufgerüttelt hat. Und das dafür jeden Preis der Welt verdient.

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