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Wandbild von Klimaaktivistin Thunberg in San Francisco.  

Kolumne

Alles Greta Thunberg oder was?

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Das Foto der Aktivistin auf Plastiktrinkhalmen kann helfen, selbige nicht mehr zu benutzen. Eine nachahmenswerte Initiative.

Die Wattestäbchen, ohnehin von zweifelhaftem Nutzen, sind schon länger aus meinem Bad verbannt. Auf Trinkhalme aus Plastik kann ich genauso gerne verzichten. Leider steht nur ein Sortiment dieser Dinger seit ewigen Zeiten im Küchenregal – Relikt eines Kinderbesuchs.

Aktuelles: Ehre für die Klimabewegung - Greta Thunberg ist Person des Jahres 2019

Soll man sie einfach wegschmeißen? Selbstverständlich in die Tonne für Kunststoffmüll. Oder sie vielleicht doch aufheben, falls die Kids beim nächsten Mal ihren Kakao nuckeln wollen? Ich würde ihnen bei dieser Gelegenheit natürlich einschärfen, sich bitte diesen Tag als letzten in ihrem jungen Leben einzuprägen, an dem sie ohne schlechtes Gewissen einen Plastikhalm zwischen die Lippen stecken dürften.

Greta Thunberg: Mehr Ökobewusstsein 

Was ist das kleinere Übel? Das Entsorgungsproblem ist in beiden Fällen das Gleiche. Das Unterfangen, sich mehr Ökobewusstsein anzutrainieren, wirft Fragen auf. Nicht zuletzt die ketzerische, was es bringt, wenn wir beim Einkauf unser Kilo Äpfel oder Birnen in die eigens angeschafften, wiederverwendbaren Stoffsäckchen füllen, aber Berge an Wohlstandsmüll immer noch in Dritte-Welt-Länder verfrachten lassen.

Und so belasse ich die Plastikhalme im Küchenglas, wo sie keinen weiteren Schaden anrichten, klebe aber ein Zeitungsfoto mit einer grimmig dreinschauenden Greta Thunberg als Etikett drauf. Auf die Idee haben mich Kollegen aus Israel gebracht, die kürzlich über den Trend in diversen Büros in Tel Aviv und Jerusalem berichteten, mittels „Greta-Shaming“ den Ex-und-hopp-Wahnsinn einzudämmen.

Greta Thunberg: „How dare you!“

Einige Angestellte haben dort die nachahmenswerte Initiative ergriffen, zwischen die Stapel an Plastikbechern und anderem Einweggeschirr in den Teeküchen ihrer Firmen das Konterfei der weltbekanntesten Klimaaktivistin zu platzieren, versehen mit Gretas empörtem Ausruf „How dare you!“. In diesem Falle zu verstehen als Abschreckung, sich mir nichts, dir nichts den nächsten Wegwerfbecher zur schnellen Durstlöschung zu schnappen. Ein Glas tut’s ja auch.

„Wie könnt ihr es wagen!“ Dieser Merksatz voller Wucht, geschleudert aus dem Munde eines blondbezopften schwedischen Mädchens gegen das wachstumshörige, globale Establishment, lässt Umweltbanausen alt aussehen. Wie immer man dazu steht, wenn ein Teenager zur Ikone stilisiert wird: Der Greta-Hype entfaltet unschlagbare Wirkkraft.

Oder kann sich etwa jemand einen gestandenen Politiker, sagen wir unseren Entwicklungsminister Gerd Müller, der ja durchaus richtige Sachen fordert, wie zum Beispiel ein Exportverbot von Plastikmüll nach Afrika und Asien, als Zugpferd der Umweltbewegung hierzulande vorstellen? Eben!

„Time Magazine“ kürt Greta Thunberg zur Person des Jahres

Greta Thunberg: „Was Du tust, zählt.“

Bei alles Müller oder was denkt doch jeder Ökofreak eher an überzuckerte, gentechnisch verarbeitete Milchprodukte in grellbunten Wegwerfbehältern. Dabei ist zu Ehren des besagten, mit dem Müller-Quark nicht verbundenen Herrn Müller festzuhalten, dass er, den „Die Zeit“ anlässlich seines Eintritts ins Kabinett noch als „No-Name“ bezeichnete, im Amt das Rollenfach wechselte: vom einst erzkonservativen CSU-Mann hin zum Anwalt der Entrechteten. Immerhin machte er sich dafür stark, als Beitrag zur Meeresrettung Plastiktüten zu verbieten, bevor das Umweltministerium dieses Vorhaben jetzt in Angriff nehmen will.

Zurück zu Greta, die in einem gerade herausgekommenen Videoclip für die Neupflanzung von Bäumen als natürliche CO2-Killer wirbt. Ihrem Schlusssatz ist nichts hinzuzufügen: „Was Du tust, zählt.“

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