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Aldi-Mitgründer Karl Albrecht ist tot.

Karl Albrecht

Grabschmuck von Aldi

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Der Tod von Karl Albrecht und der deutsche Handel. Der Aldi-Mitgründer stirbt so abgeschieden, wie er gelebt hat. Bruder Theo Albrecht ist bereits vor vier Jahren gestorben.

Sein Geburtsdatum ist nie offiziell bestätigt worden, und von seinem Tod hat die Öffentlichkeit erst nach der Beerdigung erfahren. Karl Albrecht starb so abgeschieden, wie er gelebt hatte. Das ist umso verwunderlicher, als sein vor vier Jahren verstorbener Bruder Theo und er das erfolgreichste Einzelhandelsimperium Europas aufgebaut haben, das mittlerweile sogar die Konkurrenz in den USA das Fürchten lehrt.

Immerhin der Ort der Grabstätte ist bekannt. Einer „Spiegel“-Geschichte zufolge hat Karl Albrecht 1997 in Essen acht Grabstellen erworben und sein Bruder Theo kurz darauf weitere 14.

Weil sie ihr Unternehmen zu Lebzeiten geografisch aufgeteilt hatten, in Aldi-Nord (Theo) und Aldi-Süd (Karl), behielten sie diese Teilung auf dem Friedhof bei, wie Wolfgang Prosinger im Tagesspiegel notiert. „Nach dem Erwerb der Gräber tat sich dann eine geraume Zeit nichts. Das Unkraut wucherte, wie der Spiegel berichtete, so dass sich die Friedhofsverwaltung genötigt sah, eine Mahnung zu schicken. Da fuhr dann schließlich ein Aldi-Laster vor, und es wurden angeblich Eiben, Zypressen und Rhododendren abgeladen. Grund für die Verzögerung: Man hatte wohl so lange mit dem Grabschmuck gewartet, bis die Firma Aldi günstige Pflanzen im Sonderangebot hatte.“ Wenn die Geschichte erfunden sein sollte, dann gut. Nichts assoziiert man so sehr mit den Aldi-Brüdern wie Sparsamkeit. Und Bescheidenheit.

Keine Interviews

Karl Albrecht hat in den vergangenen Jahrzehnten nie Interviews gegeben, nicht einmal aktuelle Fotos gab es von ihm. Seine Villa lag unscheinbar in einem Essener Nobelvorort, unweit der mondänen Villa Hügel, dem Anwesen der Krupp-Dynastie. „Unterschiedlicher kann sich Macht kaum gerieren“, meint Mathias Müller von Blumencron in der „FAZ“. „Dort drüben die monströse Behausung des extrovertierten Stahlbarons, der seinen Palast gebaut hatte, als er weitaus weniger Umsatz machte als der Aldi-Gründer. Und hier ein verstecktes Gelände, bei dem kaum jemand wusste, wer dort eigentlich wohnte. Als Karl Albrecht, der Handelstycoon, vor knapp 60 Jahren an diesen Hang zog, war er der Außenseiter, der Neureiche, der Emporkömmling aus der Krämerwelt. Den die feine Gesellschaft erst einmal schnitt.“

Auch allgemein wird der Handel unterschätzt, glaubt Holger Steltzner ebenfalls in der „FAZ“: „Fragt man nach innovativen und international erfolgreichen deutschen Unternehmen, werden die üblichen Konzerne wie BMW, Daimler, VW, Siemens, BASF oder SAP genannt. Händler finden sich nicht darunter. (…) Dabei führen die Händlerfamilien nicht nur die Liste der reichsten Deutschen an. Sie stellen auch die mit Abstand meisten Arbeitsplätze … und dürften wohl mehr Steuern zahlen als andere.“ Im Land der Ingenieure werden die Krämer offenbar bis heute nicht so geschätzt, obwohl sie unsere Konsumwelt revolutioniert haben.

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