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Kati Witt als Repräsentantin des bundesdeutschen Sports. 

Gottschalk-Sendung

Katarina Witt: Das Alibi-Gesicht in einer Sendung über den Mauerfall

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30 Jahre nach 1989 zieht die Erzähl- und Erinnerungsgemeinschaft eine eher durchwachsene Bilanz. Die Kolumne.

Sprache ist oft verräterisch, und kürzlich glaubte ich, Katarina Witt ertappt zu haben. „Wir Ostdeutschen“, hatte die große Dame des einstigen DDR-Sports dem Berliner Tagesspiegel gesagt, „werden einfach wegignoriert.“ Klang das aus ihrem Mund nicht absurd? Wie nur wenige Sportler hat sie es verstanden, auch Jahrzehnte nach ihrer aktiven Laufbahn öffentliche Aufmerksamkeit zu generieren.

Katarina Witt setzte ihre Karriere fort

Kaum ein Showformat, in dem sie ihre Version der Geschichte vom schönsten Gesicht des Sozialismus noch nicht erzählt hat. Kati Witt, wie sie meistens genannt wird, gehört zu der seltenen Spezies, der es gelang, die in der DDR erarbeitete Karriere im wiedervereinigten Deutschland fortzusetzen. War es da nicht vermessen, sich über Ignoranz zu beklagen und diese mit der kuriosen Neuschöpfung „wegignorieren“ auch noch steigern zu wollen?

Als ich wenig später jedoch vorm Fernseher mit ansah, auf was sich ihre Wahrnehmung einer sozialen Missachtung bezog, schämte ich mich für meinen voreiligen Verdacht. Katarina Witt war in einer von Thomas Gottschalk moderierten ZDF-Show zu Gast, in der es darum ging, aus einem gefälligen 80er-Jahre Ambiente einen bunten Abend zu machen. Nostalgische Musik, Stars von gestern und eine Handvoll persönlicher Erinnerungen von Studiogästen. Was Fernsehmachern zu Unterhaltungszwecken halt so einfällt.

Katarina Witt auf dem Sofa neben Thomas Gottschalk  

Nicht sehr viel, und schon gar nicht der Gedanke, dass ein in der DDR sozialisiertes Publikum nur wenig damit anzufangen weiß, wenn man Heinz-Rudolf Kunze als unverzichtbares Nostalgikum offeriert. Katarina Witt hatte also in dem Interview zu Recht moniert, dass die ostdeutsche Kultur jener Jahre nicht einmal in Form von ein paar Hits der Puhdys reüssierte. Vor laufender Kamera und auf dem Sofa neben Gottschalk war sie natürlich zu vornehm, um sich darüber zu echauffieren, dass sie lediglich als Alibi-Gesicht fungierte.

Im Interview holte sie das nach, bestätigte so die zuletzt vielfach von Ostdeutschen artikulierten Gefühle von Zurücksetzung und Unterlegenheit. 30 Jahre nach 1989 zieht die Erzähl- und Erinnerungsgemeinschaft eine eher durchwachsene Bilanz.

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Katarina Witt: Geschichtserzählung nach 1989

Die Politologen Marina und Herfried Münkler haben in ihrem Buch „Abschied vom Abstieg“ davor gewarnt, sich defätistisch in einer Geschichte des Niedergangs einzurichten. Die Verkennung der zivilgesellschaftlichen Errungenschaften sei letztlich eine der Ursachen für die Krise der Demokratie. Die stereotype Klage, dass alles nur noch schlimmer wird, entlastet auf fatale Weise davon, selbst etwas zur gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen. Mit schlechter Laune ist nun einmal kein Staat zu machen.

Für die Geschichtserzählung nach 1989 könnte das bedeuten, nicht länger mit starrem Blick auf die Unterschiede zu schauen. Auf einer Reise durch deutsche Regionen käme man mit Blick auf das soziale Gefälle alsbald ins Grübeln. Schön und gut verteilt sich nicht nach Himmelsrichtungen. Eine hübsche Idee für die Showgestalter des ZDFs könnte darin bestehen, sich einmal den deutsch-deutschen Ähnlichkeiten vor 1989 zu widmen. Ein aufrichtiger Systemvergleich würde womöglich eine erstaunliche Geschichte wechselseitiger Anpassung zum Vorschein bringen. Kati Witt hätte auch dazu bestimmt einiges zu erzählen.

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