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Die ADAC-Zentrale in München.
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Die ADAC-Zentrale in München.

ADAC

Das Gleiche in Gelb

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Der ADAC ist angezählt wegen einer vergleichsweise banalen Zahlenmanipulation bei der Ermittlung der Lieblingskarre, doch der Betonclub hat noch ganz andere Leichen im Vereinskeller. Es bleibt abzuwarten, ob die Methode Aussitzen auch diesmal greift. Eine Kolumne.

In Deutschland gibt es mindestens zwei freilaufende Heilige Kühe: den ADAC und den Fußball unter besonderer Berücksichtigung des FC Bayern. Wer sich mit ihnen anlegt, hat es mit Mehrheiten zu tun, von denen Parteien nur träumen können. Mit all seinen Superlativen ist der ADAC längst eine Art Staat im Staate aus eigener Gnade. Wer mit der Millionenkeule drohen kann, hat bessere Karten. Schließlich ist sein altes Credo „Freie Bürger fordern freie Fahrt“ Bestandteil des imaginären Grundrechtekatalogs, ein Freibrief für Raser.

Die gigantische Mitgliederzahl des gemeinnützigen Vereins kommt nicht von ungefähr. Leben doch die Deutschen in ständiger Angst, nach einer Panne im nächstbesten Straßengraben zu verhungern und verdursten. Wem will man da verübeln, sich eines universalen Schutzengels zu vergewissern. Wie Kanzlerin Merkel für eine Rundumsorglos-Politik steht, offeriert sich der ADAC als automobiler Nothelfer.

Das soll nun – nach einem medialen Tsunami ohnegleichen – alles Schwindel gewesen sein? Ein Stück heile Welt steht auf dem Spiel. Mutieren die gelben Engel zu Übelkrähen? Hat doch die Farbe Gelb schon der FDP kein Glück mehr gebracht. Wankt jetzt auch der gelbe Riese? Ursprünglich angezählt durch eine vergleichsweise banale Zahlenmanipulation bei der Ermittlung der Lieblingskarre, hat der Betonclub noch ganz andere Leichen im Vereinskeller.

Zugegeben, ich war selbst einmal Mitglied, beigetreten anlässlich einer Panne, wie die meisten Opfer. Als die Bleifußmafia 1989 gegen Tempo 100 auf der legendären Berliner Avus kämpfte, reichte es mir. Mit Günter Grass, René Böll und 15 anderen trat ich öffentlich aus. Unter dem Motto ADAC ADE forderten wir per Anzeige in der FR dazu auf, unserem Beispiel zu folgen. Schließlich waren es über 1000.

Beim Stand von neun Millionen – heute sind es rund zehn mehr – war der Aderlass leicht zu verschmerzen. Aber die Vorstände mussten sich vielen unangenehmen Fragen unvorbereitet stellen. Neugierig geworden, waren wir investigativ unterwegs. Bekannt war, dass der Club bei jedem Versuch für ein Tempolimit und null Promille mit dem nationalen Notstand drohte. Was wir nicht wussten: Unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft war der steuerbegünstigte Dinosaurier-Verein zu einem Wirtschaftsimperium aufgestiegen, mit einer Zwei-Klassen-Mitgliedschaft undemokratisch organisiert, frauenfeindlich in den Führungsstrukturen, Organisator von Autorennen selbst in Naturschutzgebieten – null Transparenz, null Kontrolle, umweltfeindlich, der institutionalisierte Machtmissbrauch eines Lobbyvereins.

Für einen historischen Augenblick war die Selbstherrlichkeit erschüttert. Doch an den Strukturen hat sich bis heute nichts geändert. Der PS-Verein hat 1989 den Crash ohne größere Kollateralschäden überstanden. Er wird es wieder versuchen. Der damalige Präsident – ein Schnapsfabrikant – trat auch nicht zurück.

Was jetzt öffentlich wird, ist seit Jahrzehnten bekannt. Aus Kalkül, Interessenkonflikt oder gar Feigheit wollte sich nur niemand mit dem Quasi-Monopolisten anlegen. Bleibt abzuwarten, ob die Methode Aussitzen auch diesmal greift und nur der individuelle Austritt als Protest bleibt.

Ich habe den ADAC in all den Jahren nie vermisst. Es gibt Alternativen.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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