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Ein Hamburger bei der Stimmabgabe.
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Ein Hamburger bei der Stimmabgabe.

Nein zu Olympia

Gesundes Misstrauen

  • Holger Schmale
    VonHolger Schmale
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Das Nein der Hamburger zu Olympischen Spielen hat weniger mit der "German Angst" zu tun, als mit gesundem Misstrauen. Die Menschen kommen zu Recht ins Grübeln. Ein Kommentar.

Sind die Deutschen Sensibelchen, die sich in unsicheren Zeiten keine Großtaten wie die Organisation von Olympischen Sommerspielen mehr zutrauen? Manch vermeintlicher Blick in die Hamburger Seele nach dem Nein vom Sonntag legt diesen Schluss nahe. Gegen solche Volksküchenpsychologie spricht allerdings schon allein das Votum der Kieler, deren abstimmende Mehrheit die olympischen Segler gerne wieder empfangen hätte, wie schon 1972. Vielleicht hat diese gute Erfahrung für eine mildere Stimmung als bei den Hamburgern gesorgt.

Deren Entscheidung aber hat weniger mit German Angst zu tun, als mit einem gesunden Misstrauen. Ihr Bürgermeister Olaf Scholz gilt als seriöser Mann, aber alles nehmen ihm die Bürger eben auch nicht ab. Und wenn einer wie er Transparenz und Berechenbarkeit predigt, am entscheidenden Punkt der Finanzierung aber nebulös bis erkennbar unseriös wird, schwindet das Zutrauen schnell. Ähnlich wie die Berliner haben die Hamburger ganz aktuelle Erfahrungen mit der Fähigkeit ihrer Verantwortlichen, Großprojekte erfolgreich zu managen. Die Elbphilharmonie wird am Ende zehn Mal so viel kosten wie versprochen und sieben Jahre später als geplant eröffnet. Da ist kein Vertrauenspolster für vage Versprechen auf die Zukunft gewachsen.

Vertrauen ist verloren gegangen

Und zu Recht kommen Menschen ins Grübeln angesichts der Not der Flüchtlinge und der sehr konkreten Probleme ihrer Aufnahme, zumal in Hamburg mit seiner  Wohnungsknappheit. Diese Herausforderung für die Einwanderer und die Einheimischen gleichermaßen gedeihlich zu bewältigen, wird in den nächsten Jahren erst einmal sehr vieles von dem fordern, was Staat und Zivilgesellschaft an Geld und Kraft aufbieten können. Wichtiges von Unwichtigerem zu unterscheiden ist eine bürgerliche  Tugend, die in den Genen der Hansestadt fest verankert ist. Also wird die Frage "Haben wir nichts Wichtigeres zu tun?" viele auf dem Weg zur Abstimmung begleitet haben.

Schließlich: Olympia war ein Projekt der Eliten. Fast die gesamte Hamburger Politik, die Wirtschaft, die wichtigsten Medien, viel Prominenz haben sich das Olympiamotto mit Feuer und Flamme zu eigen gemacht. Was zu anderen Zeiten mobilisierend und mitreißend gewirkt haben mag, erregt bei vielen Menschen heute Argwohn und Unbehagen. Wenn die da oben so viel Wind für eine Sache machen, wird das uns hier unten auch etwas bringen? Werden wir uns den Eintritt ins Stadion überhaupt leisten können? Oder wird alles noch teurer

Das sind Zweifel, die bis weit in eine hart arbeitende Mittelschicht hinein gehegt werden, die um ihr Überleben kämpft. Es ist in den vergangenen Jahren in Deutschland viel Vertrauen in die grundsätzliche Gerechtigkeit unserer Gesellschaft verloren gegangen. Auch das zeigt sich bei solchen Abstimmungen wie in Hamburg. 

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