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Sind Väter die besseren Mütter? Gerechter über Männer reden, fordert unsere Autorin.

Emanzipation

Gerecht über Männer reden

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Können junge Männer etwas dafür, dass Frauen lange unterdrückt wurden und werden? Nichts ist immer nur so. Nicht nur gut und nicht nur böse. Die Kolumne.

Neuerdings streite ich mich mit Frauen, auch mit welchen, die ich eigentlich mag. Ich finde ihr vernichtendes Urteil über Männer ungerecht. Allerdings: In einem DDR-Schulzeugnis stand einmal: „Regine besitzt ein übertriebenes Gerechtigkeitsbedürfnis.“ Ich möchte diese Kritik als Entschuldigung für eine Veranlagung heranziehen, wenn ich gerechter über Männer reden will.

Privat habe ich dazu keinen Grund. Echt nicht. Ich war alleinerziehend, bin alleinverdienend. Das emanzipierte Leben liegt auf meinen Schultern – vielleicht fallen mir deshalb Männer, die einen Einkauf nach Hause schleppen, so positiv auf. „Damit drücken die sich doch nur vor der Hausarbeit“, sagen Frauen, die meine Beobachtungen befremdlich finden.

Ungerechte Urteile über Männer

Männer kümmern sich weniger um die Kinder, das lese ich oft. Aber ich gehe doch mit offenen Augen durch die Welt. Neben mir hält ein Fahrradfahrer an der roten Ampel, dreht sich um und küsst seinen Jungen im Kindersitz, beide tragen Schutzhelme. Im Park spielt ein Vater zärtlich mit einem behinderten Kind.

Am U-Bahn-Eingang sitzt ein Schnuller-Kind auf dem Pflaster und weint. Leute werden aufmerksam, rufen nach der Mutter. Die erscheint und reißt das Häufchen Unglück wütend hoch. Warum sie das Kleine alleingelassen habe, frage ich. Sie schreit: Das Kind hätte nicht auf den Bahnsteig gewollt, was hätte sie machen sollen, als es zur Strafe alleinzulassen.

Nichts ist immer nur so. Nicht nur gut und nicht nur böse.

Gleichberechtigung verwehrt und unterdrückt

Eine Nachbarin meint, die Männer hätten die Kritik verdient, „schließlich haben sie uns die Gleichberechtigung verwehrt und Jahrhunderte lang unterdrückt“. Aber dafür könnten doch die jungen Männer von heute nichts, sage ich. Sie neigt den Kopf unbestimmt nach rechts und links. Dann spricht sie über die ungleiche Bezahlung im Beruf.

Ich provoziere ein bisschen: „In manchen Berufen legen Frauen selber keinen Wert auf Gleichberechtigung. Zum Beispiel buddeln ausschließlich Männer in Baugruben oder klettern auf Gerüste und keine Frau watet durch die Kanalisation!“ Das seien lediglich Hilfsarbeiten, sagt die Nachbarin, die sie niemandem wünschen würde. Um die gehe es auch gar nicht. Ein Wort gibt das andere. Wir sind laut geworden und trennen uns bedrückt.

Sicherlich stimmen Studien, nach denen Frauen mehr Hausarbeit als ihre Männer leisten. Aber haben die Familien womöglich eine Arbeitsteilung vereinbart? Könnte doch sein, dass sich der Mann stattdessen um die Steuererklärung kümmert, um Auto, Rasen, Versicherungen und Handwerker. Vielleicht repariert er sogar selber was. Männer sind verschieden.

Feministischer Streit um Gender-Studies

Und keine Frau ist wie die andere. Ich habe gerade Neues über Feminismus gelesen: Teile der Frauenbewegung sind tief zerstritten. Es geht um den Sinn von Gender-Studies – ein akademisches Fach, das soziale Geschlechterrollen untersucht. Alte Ikonen wie Alice Schwarzer und neue wie Judith Butler werfen einander reaktionäre Positionen vor. Nach Erscheinen des genderkritischen Buches „Beißreflexe“ drohte die andere Seite mit Gewalt.

Ich will mich nicht an Diskussionen beteiligen, wer die erfolgreicheren Frauenrechtlerinnen sind. Eigentlich möchte ich nur wissen, wie wir alle besser miteinander auskommen - Frauen und Männer.

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