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Die Mehrheit im AfD-Vorstand befürwortet offenbar den Rauswurf von Björn Höcke.

Björn Höcke

Der geplante Rauswurf ist nur eine Show

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Der vom Parteiausschluss bedrohte Björn Höcke ist nur die besonders plumpe Nazi-Variante in der AfD. Würde sich die Partei von all seinen Gesinnungsgenossen trennen, müsste sie sich auflösen.

Die AfD erwägt nun doch, Björn Höcke rauszuschmeißen. Seit Ende vergangene Woche wird diskutiert, und offenbar tendiert der Vorstand in diese Richtung. Am Montag soll weiter beraten werden, wie die "Thüringer Allgemeine" meldet. Ein Ausschlussverfahren wäre ein bemerkenswerter Vorgang, schließlich ist Höcke Thüringer Landeschef und damit einer der zentralen Figuren der AfD. 

Würde die Partei dadurch weniger rechtsextrem? Allerhöchstens vordergründig. Höcke ist die besonders plumpe Nazi-Variante in der AfD, er hat das schon mehrfach bewiesen. Unterstützer hat er dort allerdings jede Menge, sogar im Parteivorstand. Dort haben AfD-Chef Jörg Meuthen, Parteivize Alexander Gauland und Sachsen-Anhalts Landeschef André Poggenburg ihn verteidigt, nachdem er sich vor einigen Tagen in einer Rede vor Anhängern gegen die Beschäftigung mit dem Holocaust gewandt und das Holocaust-Denkmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte. 

Von Le Pen gelernt

Er schade der Partei und verschrecke bürgerliche Wähler, werfen ihm nun seine Gegner vor, zu denen Parteichefin Frauke Petry und der NRW-Vorsitzende Marcus Pretzell gehören. Allerdings: Auch Petry findet, dass man sich in Schulen schon genug mit dem Holocaust beschäftigt hat. Sie findet Nazi-Vokabular wie „völkisch“ durchaus ehrenwert.

Ihr Ehemann Pretzell hat sich im Europaparlament der Rechtsaußen-Fraktion angeschlossen. Beide haben sich am Wochenende mit den Chefs europäischer Parteien wie dem französischen Front National getroffen, die alle zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus pendeln. Mag sein, dass FN-Chefin Marine Le Pen Petry zur Trennung von Höcke geraten hat - sie hat schließlich selbst einst ihren ähnlich plump nationalistisch agitierenden Vater Jean-Marie entmachtet und damit den Ekelfaktor ihrer Partei reduziert. Es war ein Erfolgsrezept, Le Pen gilt als aussichtsreiche Präsidentschaftskandidatin. 

Es ist dennoch höchste Zeit, dass die AfD sich von Höcke trennt. Es ist allerdings Teil einer Show. Würde sich die AfD von allen Gesinnungsgenossen Höckes trennen, von allen, die versuchen, der NPD die Wähler abspenstig zu machen, sie hätte sich bald aufgelöst.

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