Shell-Jugendstudie

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Der tolerante und weltoffene Nachwuchs ist gezwungen, als Vater und Mutter überkommene Rollenmuster anzunehmen, weil die Alternativen fehlen. Der Kommentar.

So tolerant wie die 12- bis 25-Jährigen war noch keine Generationen vor ihnen. Das zeigt die Shell-Jugendstudie. Nur in einem Feld scheint es eine Rückkehr zu den Vorstellungen ihrer Großeltern zu geben: Wenn es darum geht, Familie und Kinder zu versorgen, sind sich junge Männer und Frauen einig: Mama arbeitet Teilzeit, Papa macht im Job nur geringe Abstriche.

Und doch irrt, wer daraus schließt, dann seien ja all die Bemühungen verfehlt, Frauen in der Arbeitswelt zur Gleichberechtigung, Männern zu mehr Zeit mit dem Nachwuchs und Kindern zur flächendeckenden Kita-Betreuung zu verhelfen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Wunsch, eine Familie zu gründen, bleibt genauso wie der Anspruch, dass Männer sich in die Familie einbringen.

Doch längst hat sich auch bei den unter 25-Jährigen herumgesprochen, dass der Anspruch, sich in beiden Welten einzubringen, zur Überlastung führt. Dass die jungen Frauen zuerst bereit sind, im Job kürzerzutreten, liegt nicht nur an der Tradition, sondern am Mangel an Alternativen.

Das zeigt sich darin, dass die Frauen in Ostdeutschland – wo es mehr Kitas gibt und mehr Mütter Vollzeit arbeiten – zu deutlich weniger Abstrichen bereit sind. Auch die Forscher erklärten, der Westen stecke wohl noch in einer Übergangsphase.  

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