Widerstandskämpfer

Ein gemeinsamer Feind

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E s ist eine bemerkenswerte Gruppe von Widerstandskämpfern, die 1944 im „Geisterzug“ nach Dachau gebracht werden. Im französischen Lager Le Vernet d’Ariège waren sie zusammengelegt worden: „eine bunte Mischung aus italienischen Antifaschisten, griechischen Republikanern, deutschen Kommunisten sowie Journalisten, Schriftstellern und Künstlern aus vielen Ländern. Auch russische Monarchisten und serbische Nationalisten sind dabei und die Spanienkämpfer unterschiedlichster Nationalität.“

E s ist eine bemerkenswerte Gruppe von Widerstandskämpfern, die 1944 im „Geisterzug“ nach Dachau gebracht werden. Im französischen Lager Le Vernet d’Ariège waren sie zusammengelegt worden: „eine bunte Mischung aus italienischen Antifaschisten, griechischen Republikanern, deutschen Kommunisten sowie Journalisten, Schriftstellern und Künstlern aus vielen Ländern. Auch russische Monarchisten und serbische Nationalisten sind dabei und die Spanienkämpfer unterschiedlichster Nationalität.“

So beschreibt es der SPD-Politiker und ehemalige hessische Spitzenkandidat Gerhard Bökel, der 2003 gegen Roland Koch antrat. Er wird Ende Juni 71 Jahre alt. Während andere Politiker sich nach ihrer aktiven Zeit den eigenen Memoiren zuwenden, schlägt Bökel mit seinem Buch „Der Geisterzug, die Nazis und die Résistance“ ein ganz anderes Kapitel auf. Der ehemalige Journalist, der früher Artikel in der Frankfurter Rundschau veröffentlichte, hat akribisch die Geschichte jenes „Geisterzugs“ aufgeschrieben.

In den völlig überfüllten Waggons wurden die politischen Häftlinge auf eine leidvolle Reise zum KZ Dachau geschickt, die am 3. Juli 1944 begann und am 28. August das Ziel erreichte. Von mehr als 700 Internierten, die in den Zug gesteckt wurden, erreichten nur 536 lebend das Ziel, 473 Männer und 63 Frauen, die noch weiterfahren mussten, ins Frauen-KZ Ravensbrück.

Bökel sprach mit Überlebenden wie Ange Alvarez, einem 1926 geborenen spanischen Bergmann und Kommunisten, der im französischen Widerstand gegen die Nazis sein Leben riskierte und weit nach dem Krieg Sozialdemokrat wurde.

Bökel zeichnet das Leid der Insassen nach. Die unterschiedlichen Widerstandskämpfer passten nicht zusammen, sie vertraten „eigentlich unvereinbare Ideologien“, schreibt Bökel. „Aber sie hatten gemeinsame Gegner: die Nazis und die französischen Kollaborateure.“

Es gebe einen Nachholbedarf in der Forschung, urteilt Bökel. Über die Widerstandskämpfer, „die nicht aus rassistischen Gründen, sondern wegen ihrer politischen Aktivitäten vor allem gegen Ende des Krieges in die Konzentrationslager verbracht wurden“, sei weniger bekannt als über andere Opfergruppen. Bökel, der teils in Frankfurt und teils nahe Avignon lebt, hat seinen Beitrag dazu geleistet, diese Lücke zu füllen.

Gerhard Bökel, Der Geisterzug, die Nazis und die Résistance. Brandes & Apsel, 268 Seiten, 29,90 Euro

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