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Von: Markus Decker

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Bürgerinnen und Bürger können etwas tun – zum Beispiel Toleranz walten lassen, wenn demnächst wieder Sporthallen nicht mehr für Sport, sondern für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Im Bild eine zur Flüchtlingsunterkunft umgebauten Sporthalle auf der ehemaligen Blücher-Kaserne in Aurich (Niedersachsen).
Bürgerinnen und Bürger können etwas tun – zum Beispiel Toleranz walten lassen, wenn demnächst wieder Sporthallen nicht mehr für Sport, sondern für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Im Bild eine zur Flüchtlingsunterkunft umgebauten Sporthalle auf der ehemaligen Blücher-Kaserne in Aurich (Niedersachsen). © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Gemessen an den Nöten der Ukraine sind unsere Probleme klein. Deshalb sollten wir Flüchtenden weiter helfen - auch wenn es mal schwierig werden sollte. Der Leitartikel.

Städte und Gemeinden rufen um Hilfe, in wachsender Zahl und mit steigender Intensität. Egal ob es sich um große oder kleine Städte handelt: Sie haben zunehmende Probleme, die vielen Geflüchteten unterzubringen, und weichen immer öfter auf Notunterkünfte aus.

Ein Wunder ist das nicht. 1,2 Millionen Schutzsuchende haben sich in diesem Jahr nach Deutschland begeben, davon kommen rund eine Million aus der Ukraine und die übrigen aus anderen Staaten sowie über verschiedene Wege: aus Osteuropa, über die Balkanroute oder das Mittelmeer.

Angesichts des immer brutaleren russischen Krieges gegen die Ukraine, der sich längst systematisch gegen die für die Menschen lebensnotwendige Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser richtet, ist sicher: Das Ende ist nicht erreicht. Wir nähern uns Verhältnissen wie bei der Flüchtlingskrise 2015 – allerdings mit zwei Unterschieden.

Erstens kommt das Gros der Flüchtlinge aus von der Mehrheit der Deutschen anerkannten Gründen. Es gibt kein Akzeptanzproblem. Zweitens hat sich die nationale und internationale Problemkulisse seit 2015 an nahezu allen Fronten verschärft. Das macht die Sache nicht einfacher. Handlungsoptionen gibt es dennoch.

Zunächst muss es darum gehen, die Flüchtlingszahlen zu begrenzen, wo dies moralisch vertretbar und praktisch machbar ist. In dem Zusammenhang wäre etwa Serbien zu nennen, das Flüchtlinge zumindest bis zuletzt ohne Visum ein- und dann Richtung Mitteleuropa ausreisen ließ. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hat dieses Problem zuletzt bei einem Balkan-Gipfel bearbeitet. Hier gilt es dranzubleiben.

Dranzubleiben gilt es ebenso an der gerechten Verteilung der Menschen auf die gesamte Europäische Union. Dort liegt die Hauptlast derzeit auf den osteuropäischen Staaten, auf den südeuropäischen Staaten mit EU-Außengrenze wie Griechenland und Italien – sowie auf Deutschland. Das kann nicht das letzte Wort sein.

National muss das Ziel bleiben, Städte und Gemeinden finanziell zu entlasten. Die Bundesregierung hat Ländern und Kommunen Anfang November insgesamt 4,25 Milliarden Euro für das laufende und das kommende Jahr in Aussicht gestellt. Das wird ganz gewiss nicht reichen.

Schließlich können auch Bürgerinnen und Bürger selbst etwas tun – indem sie prüfen, ob sie über das bisherige Maß hinaus noch über freien Wohnraum verfügen, den sie Geflüchteten anbieten können. Oder zumindest, indem sie Toleranz walten lassen, wenn demnächst wieder Sporthallen nicht mehr für Sport, sondern für Flüchtlinge bereitgestellt werden.

Immerhin: Kriege gehen zu Ende. Das gilt für die ethnischen Konflikte auf dem Balkan in den 1990er Jahren. Es gilt aber auch für Syrien, wo der Krieg weithin zum Erliegen gekommen ist. In der Ukraine wird es früher oder später nicht anders sein.

Ohnehin kommen unverändert deutlich weniger Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland, als denkbar wäre. Viele sind überdies zurückgekehrt, und weitere werden es ebenfalls tun – trotz schwieriger Umstände. Das ist nicht selbstverständlich. Und es sollte uns Respekt abnötigen.

Gemessen an den existenziellen Nöten der Ukraine bleiben unsere Probleme jedenfalls klein. Abgesehen davon sind die bei uns lebenden Geflüchteten nicht allein Last. Viele sind auch eine Chance für Deutschland, wo ein Wirtschaftszweig nach dem anderen händeringend nach Arbeitskräften sucht.

Diese Erkenntnisse sollten uns helfen, mit der Situation entspannter umzugehen als 2015. Überhaupt wissen wir ja längst: Die Normalität, die uns bis vor wenigen Jahren noch als Standard erschien, ist aus zahlreichen Gründen verschwunden. Sie kommt so oder so auch nicht mehr wieder.

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