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Der Geist in der Flasche

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Die App sei freiwillig und anonymisiert, heißt es. Doch der soziale Druck einer Angstgesellschaft im Eiltempo wird absehbar zunehmen.

Dave Eggers hat es vorhergesehen. In seinem Erfolgsroman „The Circle“ beschreibt er die schöne neue Welt, das digitale 1984. Wer Tracking zustimmt, verhindert, dass Kinder entführt werden oder bietet alleinstehende Senioren schnell Hilfe. Man nehme einen moralisch hochwertigen Grund, schon ist die massenhafte Datenspeicherung gerechtfertigt.

Daten müssen nicht missbraucht werden, aber alleine sie kommerziell nutzen zu können, ist eine große Versuchung. Der Gesundheitssektor ist einer der einträglichsten Bereiche hierfür: Künstliche Intelligenz hilft schon jetzt bei der Erkennung von Krankheiten. Die gleichen Daten könnten aber auch genutzt werden, um über Beiträge von Krankenkassen zu entscheiden.

Nun also Corona. Digitalministerin Bär (CSU) klingt wie eine Eggers-Figur: Die App sei „sinnvoll, um das Virus zielgerichtet einzudämmen“. Alles sei freiwillig und anonymisiert. Stimmt, Der soziale Druck einer Angstgesellschaft im Eiltempo wird aber so zunehmen, dass Digitalskeptiker es schwer haben werden, sich zu entziehen. Die Gefahr: Am Ende kommt die „alternativlose“ digitale Impfpflicht.

Die Politik hat bislang bei allen Datenskandalen gezeigt, dass sie hinterherhinkt. Auch in der Krise sollte die Reihenfolge eingehalten werden: Erst lückenloser Datenschutz in Gesetzesform, dann die App. Wir sollten uns dabei nicht hetzen lassen.

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