Kampf gegen Corona

Es geht nur global

  • vonMatthias Koch
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Die Staaten der Welt können gegen Corona nur gemeinsam gewinnen. Das dürfte teuer werden, aber wenn sie es nicht tun, kostet es viel mehr. Der Leitartikel.

Die Frage klingt ein bisschen abgedreht. Der US-amerikanische Präsident brachte sie trotzdem einfach mal zur Sprache, sogar vor den Vereinten Nationen: Was wäre, wenn Aliens die Erde bedrohen? Es war Ronald Reagan, der im September 1987 bei der UN-Vollversammlung in New York diesen ungewohnten Ton anschlug. Eine Gefahr von außen, sagte er, würde alle Nationen schnell zusammenrücken lassen.

Viele reagierten mit Augenrollen – wie bei Reagans im gleichen Jahr an Russland gerichteten Bitte, die Berliner Mauer niederzureißen. In beiden Fällen aber fiel einige Zeit später auf die hergeholt wirkenden Worte ein neues Licht.

Reagans Vergleich mit dem Überfall der Aliens ist jetzt tatsächlich in beklemmender Weise aktuell, auch wenn Sars-CoV-2 nicht aus dem Weltraum kam. Die globale Gemeinschaft muss jetzt gemeinsam handeln, um mit einer Bedrohung fertig zu werden, die alle Staaten und Völker gleichermaßen betrifft.

Die ersten Reflexe in der Viruskrise fielen nationalistisch aus. Längst entdecken aber sogar Globalisierungsskeptiker, wie sehr mittlerweile Wohlstand, Fortschritt und soziale Sicherheit von einem funktionierenden globalen Zusammensein abhängen. Ein Zurück zur Normalität setzt auf Dauer ein globales Impfprogramm voraus – und damit eine Kraftanstrengung von nie da gewesenem Format.

Kriegt die Menschheit in diesem Sinne die Kurve? Immerhin hat sich US-Präsident Donald Trump daran erinnert, dass er derzeit turnusgemäß den G7-Vorsitz innehat. Eine erste Videokonferenz hat stattgefunden, die ärmsten Staaten wurden bei ihren Schulden entlastet. Es sind erste, zaghafte Schritte in eine richtige Richtung.

Doch Trump, der die US-amerikanischen Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterbrochen hat, ist ideologisch noch immer auf dem falschen Dampfer. Auch die USA müssen jetzt an mehr, nicht an weniger Zusammenarbeit interessiert sein. Trumps Hinweise auf anfängliche Fehler der WHO in der Viruskrise sind zwar nicht unberechtigt. Die WHO hätte kritischer auf die ersten Versuche Chinas reagieren müssen, den Virusausbruch zu bemänteln.

Aber angesichts seiner grotesken eigenen Fehleinschätzungen sollte sich der US-Präsident lieber zurückhalten. Experten seiner eigenen Regierung räumen ein, dass die USA unabhängig von der WHO eigene Erkenntnisse hatten – und viel eher und viel umfassender hätten reagieren müssen. Doch nachdem die Warnungen das Weiße Haus erreicht hatten, blieben sie dort liegen. Trump glaubte allzu lange an eine für Viren uneinnehmbare Festung Amerika.

Allen politischen Führern weltweit, die am liebsten das Virus per Polizeikelle stoppen würden, muss man zurufen: Die Mauer muss weg, vor allem die Mauer in den Köpfen. Wir stehen vor einem globalen Problem, das auch eine globale Lösung verlangt.

Die Viruskrise wird nicht enden, wenn sie nicht für alle endet. Der Worst Case wäre ein alptraumhaftes Abgleiten der ganzen Welt in einen Strudel von Chaos, Krisen und Gewalt. Im besten Fall aber arbeiten Staaten, Wissenschaft und Wirtschaft intelligenter zusammen denn je – und erlösen am Ende die gesamte Menschheit von der Geißel namens Covid-19.

Das würde zwar viele Milliarden kosten. Doch die Summe würde nur einen Bruchteil des Schadens ausmachen, den immer neue Infektionswellen und Lockdown-Situationen anrichten würden.

Noch immer kultivieren die USA, die EU und China ihre globale Konkurrenzsituation. Pharmakonzerne diskutieren in abhörsicheren Räumen über mögliche Reingewinne. Firmen, die an Impfstoffen forschen, finden sich plötzlich unter einer besonderen staatlichen Kontrolle wieder. Dabei wäre gerade jetzt ein möglichst fließender Austausch von Informationen über alle Grenzen hinweg wichtiger als je zuvor. Was, so müsste man im Sinne von Reagans Visionen von 1987 fragen, würde geschehen, wenn die besten und klügsten Köpfe jetzt rund um die Uhr in ganz neuer Weise zusammenrückten?

Das Virus ist der gemeinsame Feind. Egal ob einer Amerikaner ist, Europäer, Asiate oder Afrikaner, egal übrigens auch, ob er sich mehr um die Wirtschaft sorgt oder ums Soziale: Das Virus bedroht alles und alle. Es ist Zeit für eine globale Gegenwehr.

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