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WM

Gegrölter Kriegskram

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Kann man Hymnen nicht frohsinniger formulieren? Nein? Aha. Verstehe. Geht nicht. Gut, dann ein anderer Vorschlag.

Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle ja nicht mehr mit der Fußball-WM befassen. Doch folgte ich unlängst dem Hinweis eines Fernsehkommentators, öffnete die Seite 150 im Videotext und staunte. Man kann dort nämlich die Texte der Nationalhymnen lesen, die die Fußballer und deren Entourage auf dem Platz gerade singen, grölen, summen, räuspern oder ignorieren. Da war ich baff. Ich zitiere nur einige Beispiele, und Sie werden verstehen. „Zu den Waffen, zu den Waffen“ schmettert da der Portugiese, „für das Vaterland kämpfen, gegen Kanonen marschieren!“. Nicht weniger rünstig der Franzose: „Formt Eure Schlachtreihen, marschieren wir, marschieren wir bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt“. Die Griechen erkennen sich „an der Klinge des Schwertes, der gewaltigen“, in Kolumbien ist „der Orinoco, von Leichen gefüllt“, während die Algerier „die Trommel des Schießpulvers als unseren Rhythmus“ nehmen „und den Klang von Maschinengewehren als unsere Melodie“.

Man könnte nun ewig so weiterzitieren, der martialischen Beispiele gibt es viele. Aber muss das denn so sein? Das ist doch nicht schön! Nun bin zwar generell der Meinung, dass man Nationalitäten an sich abschaffen sollte (was nebenbei auch eine Weltmeisterschaft überflüssig machen würde), weiß aber, dass mein Wunsch zur Zeit noch nicht mehrheitsfähig ist.

Also frage ich mich: Kann man denn nicht wenigstens das Liedgut der Länder ein wenig frohsinniger formulieren? Nicht immer nur von Blut, Boden, Leid und Schlachten trällern, sondern vielleicht von Wein, von der Lust, von würzigen Würsten und knusprigen Broten? Nein? Aha. Verstehe. Geht nicht. Gut, dann ein anderer Vorschlag.

Und zwar wende ich mich damit an Sie, lieber Herr Dietrich Mateschitz. Sie sind ja dabei, die Welt des Sports zu verändern. So gründen Sie gerne Fußballmannschaften, nennen sie „Red Bull“ oder so ähnlich und führen mit ihnen Großes im Schilde. Ich habe nun eine Idee für Ihr Meisterstück. Kaufen Sie doch einfach den Griechen eine kleine Insel ab. In der Ägäis gibt es noch genügend unbewohnte, die gewiss preiswert zu haben sind. Auf dieser gründen Sie dann einen Staat, nennen ihn meinetwegen Rot-Bullistan und eine Hauptstadt mit dem Namen Bullerbü. Dann kaufen Sie die besten Fußballer der Welt, lassen sie Rot-Bullistani werden und bilden eine Nationalmannschaft. Die Fifa ist gewiss einverstanden, für Geld machen die alles. Die lassen Sie sogar irgendwann die WM ausrichten.

Und dann, lieber Herr Mateschitz, werden Sie alle vier Jahre Fußball-Weltmeister. Bis in alle Ewigkeit. Einverstanden? Aha, starkes Interesse... Was ich für meine Idee haben möchte? Nun, ich bin ja bescheiden. Der Fußball ist eh verloren, also ist mir Rot-Bullistan auch egal. Nehmen Sie meine Idee, machen Sie. Geld möchte ich keins, habe aber einen klitzekleinen Wunsch. Sie werden ja auch eine Hymne brauchen, nicht wahr? Dann lassen Sie doch bitte nicht so einen Kriegskram singen, sondern etwas von der Augsburger Puppenkiste: „Eine Insel mit zwei Bergen“. Und wenn die Spieler die Hymne singen, sollen sie doch bitte mit den Armen und Beinen so komische Bewegungen machen. So wie Marionetten, wissen Sie Herr Mateschitz? Geht klar? Super. Vielen Dank auch.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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