Kolumne

Gegenwind für den Naturschutz

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Für den Klimaschutz drohen Naturschutzgesetze aufgeweicht zu werden. Lobbyisten nutzen die Tarnung, um sich Freiräume zu verschaffen.

Was haben wir der Windkraft nicht alles zu verdanken. Ohne sie läge die Santa Maria mit ihrem Kapitän Christoph Kolumbus noch immer im Hafen von Huelva fest und die Neue Welt wäre damals nicht entdeckt worden. Über Jahrhunderte waren die Seefahrt und der Welthandel von der Kraft der Lüfte abhängig.

Sich dankbar an diese alten Zeiten zu erinnern, hilft nicht darüber hinweg, dass Windkraft heute zu einem Konfliktthema geworden ist. Statt nur Segel zu blähen, treibt sie Windräder an und gilt einerseits als Heilsbringer zur Bekämpfung des Klimawandels. Sauberen Strom, ohne Emission von Treibhausgasen, den brauchen wir.

Andererseits stören sich viele an den Riesenspargeln in der Landschaft. Ganze Bürgerinitiativen haben sich gegründet, nur um sie zu bekämpfen. Man will die Rotoren nicht in Sichtweite haben.

Wie schön wäre es, sie irgendwo unsichtbar in der Landschaft verschwinden zu lassen. Also weit weg von menschlichen Siedlungen. Unbewohnte Naturräume sind in Deutschland aber bekanntermaßen nicht gerade häufig. Und wo es sie gibt, handelt es sich oft um naturnahe oder gar unter Naturschutz stehende Gebiete.

Schon von daher müssen Naturschützer dagegen sein, dass auf solch seltenen Flächen Windparks errichtet werden. Und natürlich fordern sie, Riesenmühlen nicht gerade dort in die Landschaft zu stellen, wo diese Vögel und Fledermäuse schreddern. Todeszahlen sind schwer zu erfassen. Jedenfalls ist das Problem so groß, dass auch die staatlichen Vogelschutzwarten warnend den Finger heben.

Doch nun braut sich eine merkwürdige Allianz zusammen von Menschen, die ehrlich im Klimaschutz die absolute Priorität sehen und deswegen auf den Ausbau der Windenergie drängen, egal wo, und solchen, denen der Naturschutz schon immer ein Dorn im Auge war.

Gut getarnt hinter dem Vorwand, die Windenergie ausbauen zu wollen, reiben sich Wirtschafts- und Verkehrslobbyisten nun die Hände in der Hoffnung auf eine Aufweichung des Naturschutzrechtes und die Erleichterung von Genehmigungen, Planungs- und Baumaßnahmen in der Landschaft.

Das deutsche Naturschutzrecht ist so schlecht nicht, aber mit Ausnahmegenehmigungen ließe es sich aushebeln. Naturschutzverbände, die dagegen protestieren oder gar gegen unsaubere Beschlüsse vor Gericht ziehen, wird von einseitigen Windkraftbefürwortern schnell vorgehalten, sie seien gegen Windkraft und würden das Wohl der Natur über das des Menschen setzen.

Solch diffamierende Anwürfe vergiften allerdings das Klima. Es wäre völlig widersinnig, den Klimaschutz auszuspielen gegen den Schutz der Biodiversität. Das würde auch den Menschen schwer schaden.

Wir haben uns als Gesellschaft in eine unangenehme Zwickmühle hineinmanövriert, weil einerseits wirklich alles getan werden muss, um Ernst zu machen mit dem Klimaschutz. Andererseits steht es auch miserabel um viele unserer Arten und ihre Lebensräume, die ebenso höchsten Schutz brauchen. Wer in diesem Zielkonflikt den Naturschutz verteidigt, dem bläst wieder mal eine steife Brise ins Gesicht. Die Naturschützer brauchen dringend Rückenwind.

Eine weitere Kolumne von Manfred Niekisch handelt von den Vorsätzen fürs neue Jahr: Nach Weihnachten rücken alljährlich gute Vorsätze für das neue Jahr ins Blickfeld. Manche davon könnten zu kollektivem Handeln führen und schnell tragfähig werden.

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