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Fußball und Frauen ist erlaubt, solange sie unter sich bleiben.
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Fußball und Frauen ist erlaubt, solange sie unter sich bleiben.

Emanzipation

Hab nix gegen Frauen, hab ja selbst eine

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Das kleine Aber verkehrt häufig das zunächst Behauptete ins Gegenteil. Es hat sich in der letzten Zeit zum Liebling aller Empörten, Wütenden und Kritiker gemausert. Die Kolumne.

Es kommt zunächst ganz unschuldig daher. Doch obwohl nur vier Buchstaben leicht, ist das kleine Aber das Schwergewicht unter den Bindewörtern. Es hat sich in der letzten Zeit zum Liebling aller Empörten, Wütenden und Kritiker gemausert. Schleicht es einmal ums Eck eines Hauptsatzes, verkehrt es das zunächst Behauptete subtil und dennoch knallhart ins Gegenteil. Der Kniff ist besonders bei all jenen beliebt, die zwei gegensätzliche Aussagen zum Paradoxon umgestalten, wodurch die Kernaussage in den Nebel der Unverbindlichkeit abgleitet.

„Ich habe selbst eine Frau und bin mit vielen befreundet – bin also kein Frauenfeind. Frau Neumann ist aber einfach schlecht (…)“, schreibt Hr. H. auf Facebook über sich und die ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann. Nicht ungeschickt nimmt er zunächst all den „Keiferinnen aus der Emma-Ecke“ (Fr. B.) den Wind aus den Segeln, da er, der Freund „vieler“ Frauen, logischerweise kein Frauenfeind sein kann. Aber Frau Neumann, die kann halt nichts, „selbst wenn ihre Stimme männlicher klingen würde“. Dann wäre sie nämlich immer noch eine Frau, womit Hr. H. ein Frauenbild offenbart, das sich auch nicht mit seinem Fußballsachverstand, der bei der Stimme hängen bleibt, zukleistern lässt.

Gleichberechtigung ist natürlich wichtig

Hr. P. formuliert es pädagogischer: „Gleichberechtigung ist natürlich wichtig, aber deswegen sollte man nicht immer versuchen, das Rad neu zu erfinden.“ Plagt Hr. P. etwa die Sorge, dass das runde Rad auf dem Altar der Gleichberechtigung dem eckigen geopfert wird und zukünftig ins Runde muss, nur weil eine Frau ein EM-Spiel kommentiert? Oder markiert das kleine Aber hier schlicht die Verteidigung von Männerdomänen in einer patriarchalen Öffentlichkeit?

Die interessiert sich bekanntlich nicht nur für Fußball, sondern auch für die gesellschaftliche Vorherrschaft des traditionellen Vater-Mutter-Kind-Modells. „Es ist mir völlig egal, was die Leute unter der Bettdecke tun, aber daraus darf kein Anspruch auf existenzprägende gesellschaftliche Institutionen wie Ehe und Familie abgeleitet werden“, formuliert Fr. M. ihre Haltung gegenüber Homosexuellen, die sie immerhin nicht an die Wand stellen will.

Das will Hr. G. auch nicht: „Ein Großteil der Bevölkerung hat nichts gegen glückliche und rechtlich gleichgestellte LGBT-Partnerschaften. Aber was der Feminismus mit ihnen macht, geht zu weit“, so der Anhänger der „Demo für Alle“ auf Facebook, der mit seinem Aber seine Erstaussage als substanzlos entlarvt. Und LGBT-Paare zu willenlosen Marionetten abqualifiziert, die vom feministischen Bösen „etwas“ mit sich machen lassen, was in Hr. Gs Gedankensprüngen nichts anderes als Gehirnwäsche durch „Gender Mainstreaming“ meint. Dass das Teufelszeug einzig ins christliche Abendland gesandt wurde, um die heile Welt der Kleinstadt-Machos in ein Matriarchat zu verwandeln, in dem die Männer die Wäsche aufhängen, ist als Ziel des links-grünen Feministenpacks nicht belegt.

Belegt ist vielmehr das Aber als Helferlein für all jene, die mit ihrer Haltung auch die abgreifen wollen, auf die sie es im Grunde mit abgesehen haben. „Eigentlich könntest du mir egal sein, aber wegen dir welken meine Geranien und das ist, sorry, ein No-Go“, hat zwar noch niemand gesagt, wäre jedoch ehrlicher. Trotz Aber.

Katja Thorwarth ist Autorin und Redakteurin der FR-Onlineredaktion.

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