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Auslese

Was tun gegen Armut?

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Mögliche Programme für gefährdete Regionen.

Arm ist nicht, wer sich so fühlt. Wir haben hierzulande eine sorgsam errechnete statistische Größe dafür, wann dem Einzelnen in der Gesellschaft Armut droht. Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat nun die „Einkommensarmut in Deutschland aus regionaler Sicht“ betrachtet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das Armutsgefälle weniger zwischen Ost und West verläuft als zwischen Stadt und Land. Das hat auch die Kommentatoren überrascht, die aber gegenüber den Ergebnissen der Studie Skepsis artikulieren.

Henrike Roßbach stellt in der „FAZ“ eigene Überlegungen dazu an, woran sich Armut bemisst. „Armut entscheidet sich im Alltag. Daran, was man sich und seinen Kindern kaufen kann, wie man wohnt, was man isst, welche Unternehmungen, Urlaube und Interessen man sich leisten kann. Insofern ist es erhellend, wenn das Institut der deutschen Wirtschaft nun vorgerechnet hat, dass die Armutsgrenzen gemessen an den Lebenshaltungskosten eben nicht mehr lupenrein zwischen Ost und West verlaufen, sondern vor allem zwischen Stadt und Land. Die Frage ist nur, ob die Politik die richtigen Schlüsse daraus zieht – zum Beispiel wenn es um die Neuordnung der Regionalförderung nach dem Auslaufen des Solidarpakts im Jahr 2019 geht. Ein Ewigkeits-Versprechen für den Soli ist garantiert nicht das, was die von Armut betroffenen Menschen in Deutschland brauchen.“

Und? Was sollte man tun? Thomas Baumgartner macht in der „Frankfurter Neuen Presse“ Vorschläge. „Dass Fördergelder wegen der höheren Armutsquoten vor allem in die Städte fließen sollten, wäre ebenfalls ein Trugschluss. Denn die größten Probleme mit Unterhalts-Investitionen in die Infrastruktur haben die strukturschwachen ländlichen Regionen mit wenig Arbeitsplätzen und sinkenden Einwohnerzahlen. Ein vielversprechender Weg für die Politik scheint eher, Mittel und Wege gegen den ungebremsten Wanderungstrend in die Ballungsräume zu suchen. Da können auch Studien wie die des IW helfen, die zeigen: Auf dem Land ist nicht immer alles trostlos – und auch in der Großstadt kann die Realität eher trist aussehen.“

Gegen einen Automatismus bei der Förderung der sozial Schwachen wendet sich auch Birgit Marschall in der „Rheinischen Post“. „Wirksam lässt sich Armut allerdings nicht bekämpfen, indem der Staat soziale Leistungen anhebt oder mehr staatlich subventionierte Jobs anbietet. Stattdessen muss es der Politik um bessere Hilfe zur Selbsthilfe vor allem in Städten gehen: Mehr Kita-Plätze verbessern Verdienstchancen der oft armutsgefährdeten Alleinerziehenden. Mehr Sprachkurse für Migranten erhöhen nachhaltig deren Job-Chancen. Das staatliche Betreuungsgeld dagegen war ein Riesenfehler, weil es Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten von Förderangeboten in Kitas fernhält.“

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