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Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, will alle Corona-Beschränkungen in zwei Wochen aufheben.

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Bodo Ramelow: Gefährlich locker

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Der Vorstoß des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow ist grundfalsch. Der Kommentar.

Man könnte es sich leicht machen und den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als Wahnsinnigen beschimpfen, der mit Menschenleben spielt. Dafür hat sich zum Beispiel Karl Lauterbach entschieden: Das Vorhaben Ramelows, alle Corona-Beschränkungen in 14 Tagen aufzuheben, sei der „reine Wahnsinn“, so der SPD-Politiker.

Doch so einfach ist es nicht. Ramelow führt nachvollziehbare Argumente ins Feld. Wer wollte widersprechen, wenn er eine Rückkehr zu einem regulären Kita- und Schulbetrieb fordert, um die enorme Doppelbelastung der Eltern durch Arbeit und Kinderbetreuung endlich zu beenden? Auch Ramelows Argument, wonach der Staat nicht längerfristig mit Zwangsmaßnahmen durchregieren darf, ist richtig.

Dennoch ist Ramelows Vorstoß grundfalsch. Es ist eine Sache, den gewohnten Alltag so weit wie möglich wieder herstellen zu wollen. Es ist aber höchst fahrlässig, zu riskieren, dass durch Aufhebung aller Restriktionen der Eindruck erweckt wird, die Gefahr sei vorüber.

Es muss befürchtet werden, dass die Menschen das jetzt genau so verstehen wollen und den zweiten Teil der Botschaft überhören, nämlich die Aufforderung zu einem „selbstverantworteten Maßhalten“. Wenn Leben gefährdet werden, reichen Appelle an die Vernunft nicht aus.  

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