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Antisemitismus und Rassismus dürfen in der Welt keinen Platz mehr haben – gerade nach dem Holocaust.
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Antisemitismus und Rassismus dürfen in der Welt keinen Platz mehr haben – gerade nach dem Holocaust.

Gastbeitrag

Antisemitismus und Rassismus dürfen keinen Platz haben

Wir müssen in Erinnerung an den Holocaust dafür sorgen, dass Antisemitismus und Rassismus keinen Platz haben. Der Gastbeitrag.

Frankfurt – Man sollte meinen, dass die Bedeutsamkeit des Gedenkens an den Holocaust weltweit gegeben wäre. Dennoch zeigen uns internationale Studien, wie wenig Menschen über die Gräuel der Nazi-Diktatur in den meisten Gesellschaften wissen. Auch hierzulande sollen laut einer CNN-Umfrage des Jahres 2018 rund 40 Prozent junger Erwachsener „wenig“ oder „gar nichts“ über den Holocaust wissen.

Der World Jewish Congress (WJC) versucht seit fünf Jahren mit seiner „We Remember“-Kampagne dem Unwissen entgegenzutreten. Indem man ein Foto von sich mit einem Papierschild und der Aufschrift „We Remember“ auf Social-Media-Kanälen veröffentlicht, wird man Teil der mittlerweile größten Onlinekampagne zur Würdigung von Holocaustopfern. Auch in diesem Jahr hat die Kampagne wieder Hundertausende von Unterstützerinnen und Unterstützern gewinnen können und dabei ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Schulen kommt im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus Schlüsselrolle zu

Täglich werden es weniger Zeitzeugen, die uns vom Erlebten erzählen können. Biografien werden zur Historie. Künftig werden wir auf symbolische und überlieferte Vermittlungsformen zurückgreifen müssen, um der sechs Millionen Juden, darunter 1,5 Millionen jüdische Kinder, der Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Behinderten und all der anderen Opfer der Nazi-Barbarei gedenken zu können.

Umso wichtiger ist es, dieses Gedenken jetzt fest zu verankern. Den Schulen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie können Schüler durch Geschichtsunterricht und Demokratieerziehung gegen Antisemitismus und Rassismus widerstandsfähiger machen und damit für eine friedvollere Zukunft sorgen.

Es drängen sich aber immer wieder Fragen auf: Wie konnte der Holocaust passieren? Wie konnten aus Arbeitskolleginnen und -kollegen, Partnerinnen und Partnern sowie Freundinnen und Freunden Täter und Opfer werden? Wie konnte die Welt dabei zusehen? Je mehr man über den Holocaust erfährt – so scheint es –, desto mehr Fragen drängen sich auf. Je mehr wir wissen, desto weniger verstehen wir. Eine absurde Gleichung der Geschichte.

Gastbeitrag

Michaela Fuhrmann ist im Jewish Diplomatic Corps des World Jewish Congress (WJC).

Heute: Antisemitische Vorurteile und Verschwörungstheorien werden wieder verbreitet

Der Holocaust kam nicht über Nacht. Ihm gingen viele Alarmsignale voraus, die man hätte wahrnehmen und richtig deuten müssen. Dass die Nationalsozialisten und ihre Ideologie zuerst heruntergespielt wurden, ebnete ihren Weg.

Heute werden erneut die antisemitische Vorurteile und Verschwörungstheorien verbreitet. Die Corona-Krise hat dies befeuert. Im Internet werden im Sekundentakt antisemitische Inhalte verbreitet. Auf Corona-Demos marschieren antisemitische Gruppen. Rechtsextreme zeigen offen Nazi-Symbole, Reichsbürger tragen ihre Flagge bei der versuchten Erstürmung des Bundestags, „Querdenker“ relativieren die Schoah durch das Tragen des gelben Sterns und vergleichen sich mit Anne Frank oder Sophie Scholl.

Angesichts der Tatsache, dass seit über drei Jahren eine Partei im Bundestag sitzt, die antisemitische Mitglieder duldet und den Holocaust als „Vogelschiss“ bezeichnet, sollten wir die Bedrohung unserer demokratischen Werte ernster nehmen.

Antisemitismus: Attentate auf Juden sind Resultate von ignorierten Warnsignalen

Antisemitische Straftaten sind im Jahr 2019 um 13 Prozent auf 2000 gestiegen. Das bedeutet, dass in Deutschland täglich mehr als fünf judenfeindliche Delikte begangen werden – der Alltagsantisemitismus und eine hohe Dunkelziffer nicht berücksichtigt. Das Attentat auf die Synagoge in Halle und Angriffe auf jüdische Bürger sind daher keine Warnsignale mehr. Sie sind das Resultat aus dem Ignorieren aller vorhergegangen Warnsignale.

Die Definition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance ist hilfreich, die Erscheinungsformen vom klassischen bis hin zum israelbezogenen Antisemitismus erfassen. Gerade in der Strafverfolgung und der Justiz ist diese Definition unerlässlich.

Antisemitismus prägt das Leben vieler Juden bis heute

Wenn Gerichte entscheiden, dass dem Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal 2014 keine antisemitische Motivation zugrunde lag oder eine Staatsanwaltschaft beim Angriff auf einen Juden vor der Hamburger Synagoge* im Oktober keinen antisemitischen Hintergrund sieht, dann wird das Manko in der Antisemitismusbekämpfung deutlich.

76 Jahre nach der Befreiung von Ausschwitz prägt der Antisemitismus immer noch das Leben vieler Juden. An jedem 27. Januar gedenken wir, doch hat es sich nach 24 Stunden damit nicht einfach getan. Dem „We Remember“ – „Wir erinnern“ muss ein „Wir handeln“ folgen, und zwar an jedem anderen Tag. Es ist ein Auftrag, der uns verpflichtet, die Lehren des Holocausts umzusetzen und so dafür zu sorgen, dass Antisemitismus, Rassismus und Fanatismus keinen Platz haben in unserer Gesellschaft. (Michaela Fuhrmann) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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